Dokumentarfilm

„Moritz Daniel Oppenheim“ im Kino

Isabel Gathofs unspektakulär inszeniertes Porträt beleuchtet einen wichtigen Aspekt deutsch-jüdischer Kulturgeschichte

FEINSHMEKER FILM

Stil und Bildinhalte der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts wirkten nach Impressionismus und klassischer Moderne irgendwie steif. Insofern ist auch der Maler Moritz Daniel Oppenheim kaum mehr ein Begriff. Oppenheim war der erste jüdische Maler der Zeit mit akademischer Ausbildung und ist ein Beispiel für die jüdisch-bürgerliche Emanzipation des 19. Jahrhunderts.

Geboren 1800 in Hanau kannte der junge Oppenheim noch das Leben im Getto; als er 1882 starb, sicherte das Kaiserreich den ­Juden die rechtliche Gleichstellung zu. Oppenheim wurde Hausmaler der jüdischen Frankfurter Bankiers-Familie Rothschild, er stand mit der Künstlergruppe der Nazarener in Kontakt (die sich oft christlichen Bildinhalten widmeten) und er porträtierte Goethe und Heine. Vor allem aber waren seine Gemälde mit Szenen aus dem deutsch-jüdischen Leben politisch-programmatische Werke der Emanzipation.

Obwohl in ihrem Film auch Kunsthistoriker*innen zu Wort kommen, lässt sich Isabel Gathofs unspektakulär inszeniertes Porträt weniger als Kunstdoku begreifen, eher als inhaltlich interessantes Werk über einen wichtigen Aspekt deutsch-jüdischer Kulturgeschichte.

Moritz Daniel Oppenheim D/F/IL/P 2017, 101 Min., R: Isabel Gathof, Start: 25.10.

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