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„Mother“ im Kino

Schon einmal hat Bong Joon-ho ein Monster ins Zentrum eines seiner Filme gestellt, mit spektakulärem Erfolg: „The Host“ erzählte 2006 vom Kampf einer eigentlich selbst recht dysfunktionalen Familie gegen ein Ungeheuer, das in der Kanalisation von Seoul haust. Den Mix aus Komödie und Genre­elementen wollten allein in Südkorea 13 Millionen Zuschauer sehen.
Ein Ungeheuer steht auch im Mittelpunkt seines neuen Films „Mother“, aber es ist nicht so leicht zu erkennen wie das amphibische Wesen in „The Host“. Das Monster ist in „Mother“ in die Familie selbst gerückt, es versteckt sich hinter einem Mantel aus Liebe. Die Mutter (Kim Hye-ja), die ihren beschränkten Sohn so überfürsorglich betreut, wird durch dessen Verhaftung gezwungen, sich selbst als Detektivin zu en­gagieren – und bewährt sich bald mit erschreckender Effizienz. Das skeptische, oft karikaturhaft überzeichnete Bild, das „Mother“ von Südkorea zeichnet, enthüllt Stück für Stück das Bild einer korrupten, gewalttätigen, missbrauchenden Gesellschaft, in der die Symbiose von Mutter und Sohn nur ein Störungs-Symptom unter vielen
ist. Die Bilder können hier ebenso trügen wie die Erzählungen der Figuren, doch im Wechselspiel von Erinnerungs- und Verdrängungsarbeit, das Bong auf diesem schwankenden Grund inszeniert, steckt für jeden ein giftiger Stachel, der wenigstens für einen Augenblick zeigt, wo ein Rest der Wahrheit liegt – bevor das Vergessen wieder alles umfängt.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Mother“ im Kino in Berlin

Mother (Madeo), Südkorea 2009; Regie: Bong Joon-ho; Darsteller: Kim Hye-ja (Yoon Hye-ja), Won Bin (Yoon Do-jun), Jin Ku (Tae Jin) ; 129 Minuten

Kinostart: 5. August

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Bong Joon-ho

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