Dokumentarfilm

„Mr Gay Syria“ im Kino

Schwul in der Türkei

Kann ein guter Mensch schwul sein? Heilt der Koran das Schwulsein? Mit diesen Fragen hat sich der Syrer Husein allein durch seine ­Jugend gequält. Als er mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg aus seiner Heimatstadt Afrin in die Türkei flüchten muss, vereinfacht das sein Leben nicht. Aber in Istanbul gestrandet, bekommt er Kontakt zur kleinen Diaspora schwuler syrischer Männer. Es gibt einige Szenen in dem bemerkenswerten Debütfilm der Türkin Ayşe Toprak, in dem man Husein tröstend in die Arme nehmen möchte. Er hat zwar jetzt Freunde, denen er seine Fragen stellen kann und die ihm antworten, aber er spürt auch, wie falsch sein bisheriges Leben war und wie der innere Druck steigt, sich ­gegenüber seiner Familie zu outen.

Neben Husein ist Mahmoud der zweite Hauptprotagonist des Films. Er lebt seit 2014 in ­Berlin und ist auch deshalb in der hiesigen Schwulenberatung aktiv, weil ihm das Schicksal seiner Freunde in Istanbul auf der Seele brennt. 2016 war Mahmoud Organisator eines Castings in Istanbul, das dem Film seinen ­Titel gibt: „Mr Gay Syria“. Dem Sieger winkte eine Einladung zum „Mr Gay World“ und damit vielleicht eine Möglichkeit als LGBT-Refugee aus Syrien in Europa Asyl zu beantragen.

Der „Mr Gay Syria“-Wettbewerb, das Herzstück des Films, ist einer der besonderen Art: charmant, warmherzig und zutiefst menschlich. Ein empathisches Porträt über die ­schwule syrische Community im türkischen Exil, das trotz vieler Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit auch humorvoll und lebensbejahend ist.

Mr Gay Syria D/F/TK 2018, 88 Min., R: Ayse Toprak, Start: 6.9.

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