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„Mud – Kein Ausweg“ von Jeff Nichols

Mud - Kein Ausweg

Spätestens mit dem Gewinn des Oscars als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als Ron Woodroof im Drama „Dallas Buyers Club“ gehört Matthew McConaughey zur ersten Riege männlicher Darsteller in Hollywood – was auch sein Mitwirken in Martin Scorseses „The Wolf Of Wall Street“ an der Seite von Leonardo DiCaprio zeigt. Der Aufstieg des Texaners in den letzten Jahren war rasant – und benötigte eine lange Anlaufzeit. Hatte er mit „Die Jury“ zwar schon 1996 für ein erstes Ausrufezeichen gesorgt, folgten unzählige Rollen, die nicht umsonst für wenig Aufmerksamkeit sorgten.
Bleibt die Frage, warum „Mud“ zu diesen Filmen mit wenig Aufmerksamkeit gehört. Denn trotz Präsentationen bei den Filmfestspielen in Cannes und Sundance hat es der aussergewöhnliche Film von Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols („Take Shelter“) nicht in die deutschen Kinos geschafft. Ein Makel, der durch die DVD-Veröffentlichung nun zwar nicht behoben wird, doch zumindest die Möglichkeit verschafft, sich zu überzeugen, dass McConaughery auch im Jahr vor „Dallas Buyers Club“ bereits einen exzellenten Film ablieferte.
Erzählt wird die Geschichte der beiden 14-jährigen Freunde Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland), die auf einer Insel im Mississippi nahe ihrer kleinen Heimatstadt auf einen Mann (Matthew McConaughey) treffen, der in einem Boot lebt, das bei der letzten großen Überschwemmung im Wipfel eines Baumes hängen geblieben ist. Der Mann, der sich ihnen als „Mud“ vorstellt, gibt umumwunden zu, dass er auf der Flucht vor der Polizei ist, weil er einen Menschen erschossen hat, versichert jedoch auch, dass die Tötung aus Liebe zu einer außergewöhnlichen Frau (Reese Witherspoon) geschehen ist. Als die beiden Jungen die Jugendliebe des einsamen Fremden schließlich kennenlernen, schließen sie einen Pakt mit „Mud“ und helfen ihm, das Boot zunächst aus den Baumwipfeln zu befreien und letztlich wieder fahrtüchtig zu machen. Bei allem wird den drei ungleichen Freunden die Zeit knapp, denn mittlerweile taucht auch die rachsüchtige Familie des Getöteten in dem ansonsten beschaulichen Südstaatennest am Mississippi auf.
Regisseur Jeff Nichols gelingt es in seiner zweiten Langfilmarbeit gleich mehrere Genres mehr als sehenswert zu vereinen. Da ist zum einen die Coming Of-Age-Geschichte des 14-jährigen Ellis, der die Liebe zum anderen Geschlecht für sich entdeckt und nach und nach erfahren muss, dass die Dinge in Sachen zwischenmenschliche Beziehungen oft längst nicht so einfach sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Zum anderen liefert Nichols einen Thriller um geheimnisvolle Menschen mit undurchsichtiger Vergangenheit, die in ihrer Verschwiegenheit mindestens so einsam und trostlos sind wie die US-amerikanischen Südstaaten, in denen sie leben.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Herausragend

Mud – Kein Ausweg (Mud), USA 2012; Regie: Jeff Nichols; Darsteller: Tye Sheridan (Ellis), Matthew McConaughey (Mud), Jacob Lofland (Neckbone), Sam Shepard (Tom), Reese Witherspoon (Juniper); 125 Minuten. Extras: Interviews, Making Of, TV-Spots, Originaltrailer, Trailershow – auf BluRay zusätzlich: B-Roll. Erschienen bei Ascot Home Entertainment

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