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Krankheitsreportage

„Multiple Schicksale – Vom Kampf um den eigenen Körper“ im Kino

Ein 18jähriger Jungregisseur möchte die Krankheit seiner bewegungsunfähigen Mutter verstehen. Sie hat Multiple Sklerose (MS), bei der mehrfache Entzündungen im Hirn und Rückenmark für variierende Beeinträchtigungen sorgen. MS heißt deshalb auch die „Krankheit mit den tausend Gesichtern“.

Foto: Spot On Distribution

Entsprechend unterschiedlich sind auch die Symptome der weiteren MS-Patienten, die Jann Kessler mit ihren Angehörigen über zwei Jahre lang hautnah begleitet hat. Sechs Menschen zwischen 20 und 55 sprechen sehr offen über ihre Diagnosen, Ängste und neue Lebenseinstellungen. Da ist der junge Pfarrer mit drei Kindern, der seit 20 Jahren relativ wenig unter der MS leidet, aber mit seinen Kräften haushalten muss. Eine Schülerin im Rollstuhl erzählt, dass sie das Leben jetzt bewusster genießt, eine andere junge Frau weiß nun, dass sie es nicht mehr allen recht machen will. Es geht hier um Strategien, mit der Krankheit zu leben und um Auswege. Eine begleitete Sterbehilfe wird auch gezeigt und ist kaum ertragbar.

Im Zeitraffer filmt Kessler den Tageslauf der bettlägerigen Mutter, die den Aufnahmen nicht zustimmen konnte. Die persönliche „Verarbeitung“ des Regisseurs hat hier oberste Priorität. Zwischendurch zitiert er Zeilen aus Hermann Hesses Erzählung „Siddharta“. Kesslers Suche nach dem Sinn der Krankheit und des Lebens bestürzt und regt zu Diskussionen an.

Multiple Schicksale – Vom Kampf um den eigenen Körper CH 2015, 85 Min., R+B: Jann Kessler, Mit: Bernadette Meier, Graziella Just, Luana Montanaro, Start: 15.9.

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