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„München in Indien“ im Kino

München in Indien

Ein bedeutender Maler war Hannes Fritz, der sich als Künstler Fritz-München nannte, nicht unbedingt. In den 1920er-Jahren hatte er seinen Beruf als Bankangestellter aufgegeben, um Malerei zu studieren, interessierte sich jedoch nicht für den Weg der Moderne, sondern wurde akademischer Porträtmaler. Sein Leben allerdings war aufregender als seine Kunstauffassung: Gern bereiste er fremde Länder, darunter auf seiner Hochzeitsreise 1932 auch Indien, wo er mit seiner Begabung zu einem Hofmaler der damaligen Maharadschas avancierte. Der wirkliche Schatz, mit dem Walter Steffens Dokumentation „München in Indien“ wuchern kann, sind jedoch die umfangreichen 16mm-Filmaufnahmen, die der Maler bis 1937 auf seinen Reisen durch Indien machte: vom feudalen Prunk der Fürstenhöfe bis zu Bildern von Mahatma Gandhi. Gekoppelt mit Auszügen aus Fritz-Münchens Tagebüchern, die ihn als ebenso offenen wie geschäftstüchtigen Geist ausweisen, und Briefen seiner Ehefrau Editha ergibt sich so ein zwar nicht analytisches, aber interessant-intimes (und sehr unterhaltsames) Bild des kolonialen Indien. Die Interviews mit Familienangehörigen und die Impressionen aus dem heutigen Indien, die den Enkel des Malers auf dessen Spuren zeigen, erscheinen da allerdings etwas weniger relevant.

Text: Lars Penning

Foto: Konzept+Dialog

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „München in Indien“ im Kino in Berlin

München in Indien, Deutschland 2012; Regie: Walter Steffen; 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 3. Januar

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