Gerichtsdrama

„Murer – Anatomie eines Prozesses“ im Kino

1963 fand im österreichischen Graz ein aufsehenerregender Prozess statt. Angeklagt war Franz Murer, geboren 1912 in der Steiermark

Der Filmverleih

Murer war während des Zweiten Weltkriegs vor allem im baltischen Wilna stationiert, und gilt der Geschichtsforschung heute eindeutig als ein herausragender Kriegsverbrecher. Er wurde für seine Taten auch von einem sowjetischen Gericht verurteilt, aber 1955, als Österreich durch den Staatsvertrag seine Unabhängigkeit zurückbekam, an das Land seiner Herkunft ausgeliefert.

1963 kam Murer, der von seiner ursprünglichen Strafe nicht einmal ein Viertel verbüßt hatte, in Österreich neuerlich vor Gericht. Und diesen Prozess hat Christian Frosch, der unter anderem auch an der Berliner Filmhochschule dffb studiert hat, nun in Form eines dokumentarisierenden Spielfilms oder eines Tatsachendramas in Erinnerung gerufen.

Er musste dafür eine Menge Rekonstruktionsarbeit leisten, denn vom Murer-Prozess gibt es keine Bilder, und selbst die Gerichtsakten überliefern kein Protokoll im Wortlaut, sondern nur Stichworte. Mit einem vielköpfigen Ensemble und einer klugen Dramaturgie erinnert Christian Frosch an ein herausragendes, auch für ein Publikum in Deutschland relevantes Kapitel Geschichtspolitik.

Murer – Anatomie eines Prozesses A 2018, 110 Min., R: Christian Frosch, D: Karl Markovics, Karl Fischer, Alexander E. Fennon, Roland Jaeger, Start: 22.11.

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