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„Naked Opera“ im Kino

Der Luxemburger Marc Rollinger hat ein besonderes Projekt: Einmal im Monat fährt er in eine Stadt, in der Mozarts Oper „Don Giovanni“ gespielt wird. Er verbindet diese Reisen mit Nächten in teuren Hotels und bittet in der Regel junge Männer dazu, von denen er inzwischen ein reiches Fotoarchiv hat. Marc ist ein Genießer, und er stellt hohe Ansprüche an das Leben. Das macht die Sache nicht immer leicht. Angela Christlieb hat mit „Naked Opera“ ein eigenwilliges Porträt eines schwierigen Menschen gestaltet, das zugleich durch Offenheit und Stilisierung überzeugt. Der Protagonist gibt sich zumeist sehr ungeschützt zu erkennen, wir sehen ihn beim Arzt, beim Umgang mit Personal, und beim Vorspiel mit den Gefährten (irgendwann wird allerdings die Schlafzimmertür geschlossen). Es geht aber gar nicht darum, die Grenze des Privaten möglichst weit hinauszuschieben. Vielmehr ist „Naked Opera“ eine Studie über die Grenzen einer Ästhetisierung des Lebens: Der konsequente Versuch, sich mit schönen Dingen und Männern zu umgeben, ist vielleicht nur die Kehrseite einer radikalen Einsamkeit.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Real Fiction Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orten und Zeiten: „Naked Opera“ im Kino in Berlin

Naked Opera?, Luxemburg/Deutschland 2013; Regie: Angela Christlieb; 85 Minuten; FSK 16?

Kinostart: 10. Oktober

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