Kommentar

„Natürliche Erfahrungen“ von Lars Penning

Kaum war 1895 der schwarz-­weiße, stumme Film erfunden, machten sich Techniker daran, diesen Zustand gleich wieder zu ändern.

Lars Penning

Man wollte Farbe und man wollte Ton, immer mit dem Versprechen, die Seherfahrung für das Publikum naturalistischer und damit realer zu gestalten. Man ging die„Verbesserungen“ mit Schmackes an, unter anderem mit der völlig irren Idee, jedes Filmbild einzeln zu kolorieren. Was übrigens grauenhaft aussah. Selbst die tiefgesättigten, wunderbar künstlichen Farben des alten Dreifarb-Technicolors wurden in den 1930er-Jahren mit dem Spruch „Technicolor is natural color“ beworben, und auch die 3D-Technik versucht man uns bis heute mit dem Hinweis schmackhaft zu machen, die Dreidimen­sionalität entspräche ja unserer natürlichen Seherfahrung.
Na und? Für mich ist das Schöne an jeder Art von Kunst ihre Stilisierung, und die funktioniert ­immer. Wie jeder weiß, der sich an seine Besuche einer Kasperbude auf dem Jahrmarkt erinnern kann: Tri-Tra-Trullala – und schon ist man in einer anderen Welt. Natu­ralismus ist kein Grund für Identifikation, aber wohl ein gutes Geschäft. Das fiel mir ein, als ich las, dass es schon wieder eine neue Filmtechnik gibt: Eclair­Color, ein digitaler Postproduk­tionsprozess – noch klarer, noch natürlicher, „wie 3D ohne Brille“. Aber was wirklich entscheidend ist: Möchten die Kinos in Zukunft mit ­EclairColor gemasterte Filme zeigen, dann benötigen sie alle eine neue Projektionstechnik …

Mehr über Cookies erfahren