Drama

„Nebel im August“ im Kino

Ein Geschichte, die erzählt werden muss: „Nebel im August“

Foto: Studiocanal

Ernst Lossa war einer von vielen. Einer von 200.000 Menschen, die zwischen 1939 und 1945 in deutschen Heil- und Pflegeanstalten im Rahmen des sogenannten „Euthanasie“-Programms der Nazis getötet wurden. Lossa, 1929 geboren, gehörte dem wandernden Volk der Jenischen an; er wurde nach einer ­Odyssee am 9. August 1944 ermordet.
Die Verfilmung des gleichnamigen Tatsachenromans „Nebel im August“ ist nun jene Art Kino, die von ihrem Gegenstand quasi imprägniert wird. Denn natürlich muss diese furchtbare Geschichte dem (Ver)Schweigen entrissen werden, und wie bieder auch immer die filmische Form ausfallen mag, ändert das nichts an der Pflicht zum Erzählen. In diesem Sinne ist Kai Wessels Film sauber gemachtes Aufklärungskino, eine sichtlich hochwertige Produktion, die eben nicht mit einer wendungsreichen Dramaturgie oder mit innovativer Gestaltung besticht. Die dafür aber mit hochkarätigen Darstellern aufwartet, deren engagiertes Spiel die glatte Oberfläche mit schlüssigen Charakterporträts aufbricht.
Zuerst zu nennen ist Ivo Pietzcker („Jack“) als Lossa. Mühelos besteht der 14-Jährige neben Sebastian Koch als ­Anstaltsleiter, dem großartigen Thomas Schubert als dessen Assistent, Fritzi Haberland als von Gewissensnöten gepeinigter Schwester und Henriette Confurius als veritablem Todesengel. Auf schauspielerischer Ebene ist ­„Nebel im ­August“ eine Wucht, das versöhnt mit der inszenatorischen Behäbigkeit.

Nebel im August D 2016, 127 Min., R: Kai Wessel, D: Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Fritzi Haberlandt, Henriette Confurius, Start: 29.9.

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