Dokumentarfilm

„Neben den Gleisen“ im Kino

Fauchend rast der weiß-rote ICE mit 250 Sachen an Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern vorbei

Foto: Deutschfilm

Neben den Gleisen liegt eine Kiosk-Kneipe. Abgeblätterter Putz, „Bild“-Poster, biertrinkende Arbeitslose. Nichts Besonderes. Doch für die Boizenburger ist ein Leben ohne den Kiosk nicht vorstellbar. Täglich zwischen 5 und 22 Uhr treffen sich Schichtarbeiter, Rentner, Hartz-IV-ler und ­jugendliche Arbeitslose in der rauchgeschwängerten Kneipe. Umgeben von Fußballschals und Daddelautomaten können sie über Gott und die Welt philosophieren. Wenn der Frust mal wieder bis an die hölzerne Decke reicht, ist der Kiosk der ideale Ort, um sich über das System aufzuregen. Seit 2015 stoßen tausende Flüchtlinge auf ihrem Weg zum nahegelegenen Aufnahmelager auf die Anwohner.
Die sehenswerte Dokumentation beobachtet das spannungsgeladene Zusammentreffen beider Welten. Die Aussagen traumatisierter Flüchtlinge und frustrierter Deutscher wechseln sich erzählerisch ab: Geschichten der Flucht gegen das Klischee vom syrischen Vergewaltiger. Ohne zu werten gelingt es Regisseur Dieter Schuhmann, eine ungekannte Nähe zum Alltag der Protagonisten zu erzeugen.

Neben den Gleisen D 2016, 85 Min., R: Dieter Schuhmann, Start: 6.4.

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