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Neu im Kino: 7915 km

Alltagsleben entlang einer berühmten Rennstrecke: „Auf den Spuren der Rallye nach Dakar“ bewegt sich dieser Film, wie schon sein Untertitel festhält. Von der Rallye selbst kriegt man dabei nichts zu sehen, nur die Ab­drücke der Reifen im Sand sind noch da – und die Menschen, die in der Wüs­te, an den Orten am Rande der Piste leben und arbeiten: Der Film trägt ganz prosaisch die exakte Länge des Weges, den er nachvollzieht, im Titel: „7915 km“. Die Reise verläuft durch Marokko und die Republik Sahara, durch Mauretanien, Mali und den Senegal. Das Prinzip Fernreise liegt dem österreichischen Dokumentaristen Nikolaus Geyrhalter nahe, wie seine erstklassigen – im Zusammenspiel mit dem Cutter und Dramaturgen Wolfgang Widerhofer entstandenen – Globalstudien „Elsewhere“ (2001) und „Unser täglich Brot“ (2005) belegen. Mit seiner jüngsten Arbeit hat das eingespielte Duo nun aber erstmals kein Glück: Als „Hommage an Menschlichkeit und Langsamkeit“, wie es auf der Film-Website heißt, erscheint „7915 km“ einigermaßen unterkonzipiert. Denn die geduldig plaudernden Menschen, die Geyrhalter vor seine Kamera bekommt, tragen allein noch keinen Film. Ihre individuellen Geschichten verdichten sich nicht zum anvisierten großen Porträt einer unterprivilegierten Gesellschaft, die Europa nur vom Hörensagen (und vom motorisierten Vorbeiziehen) kennt. In ihrem letzten Drittel gewinnt diese allzu ruhig dahin- fließende Arbeit immerhin noch ein wenig an Substanz, aber auch das kann über den Eindruck nicht mehr hinwegtäuschen, dass hier eine passable Filmidee an den realen Gegebenheiten zerschellt.

Text:
Stefan Grissemann

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten:„7915 km“ im Kino in Berlin

7915 km Österreich/Frankreich 2006; Regie: Nikolaus Geyrhalter; Farbe, 106 Minuten

Kinostart: 27. August

 

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