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Neuer deutscher Film und Nouvelle Vague im Kino Arsenal

der_zorn-gottes„Wir“, das waren 26 junge deutsche Filmemacher und Kritiker um Edgar Reitz, Alexander Kluge und Peter Schamoni, die mit ihrem „Oberhausener Manifest“ vom 28. Februar 1962 den „Neuen Deutschen Film“ einläuteten. Mit ihrem Aufruf und einigen ersten kurzen Regiearbeiten grenzten sie sich vom „alten Film“, den glatten Wirtschaftswunderfilmen der 50er Jahre, von „Papas Kino“, ab. Die ersten abendfüllenden „Neuen Deutschen Filme“ entstanden einige Jahre später. Inspiriert vom britischen Free Cinema und der französischen Nouvelle Vague entwickelten die Unterzeichner des Manifests und weitere junge Autorenfilmer wie z.B. Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders u.a. inhaltlich wie stilistisch ganz unterschiedliche Bilder der bundesdeutschen Gegenwart. Auch die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit war ein wichtiger Bezugspunkt ihrer Arbeit. Debütfilme und Arbeiten aus den ersten Jahren des „Neuen Deutschen Films“ stehen im Mittelpunkt der Auswahl der Retrospektive „Magical History Tour – Neuer Deutscher Film und nouvelle Vague„, die vom 1. bis 31. Juli im Kino Arsenal gezeigt wird.

Filmprogramm

So, 5.7., 19 Uhr ES, Regie: Ulrich Schamoni, BRD 1966
Versuch der Beschreibung des Lebensgefühls der jungen Generation in West-Berlin nach dem Mauerbau: Die Beziehung eines jungen Paares gerät durch eine verheimlichte Schwangerschaft in eine Krise. Das ernste Thema kontrastiert Schamoni mit einem scheinbar verspielten, heiteren Grundton des Films. Brillante Kurzauftritte: Tilla Durieux und Bernhard Minetti.

Mo, 6.7., 19 Uhr, Di, 7.7., 19 Uhr Machorka Muff, Regie: Daniиle Huillet, Jean-Marie Straub, BRD 1962, Nicht versöhnt, Regie: Daniиle Huillet, Jean-Marie Straub, BRD 1965
Bereits die beiden ersten Kurzfilme des Filmemacher-Paares Daniиle Huillet und Jean-Marie Straub – basierend auf Werken von Heinrich Böll – sind einer strengen ästhetischen und politischen Grundhaltung verpflichtet, kompromisslos im Umgang mit Sprache, Bild und Ton.

Mo, 6.7., 20 Uhr, O.K., Regie: Michael Verhoeven, BRD 1970
Der Film, der 1970 zum Abbruch der Berlinale (und in der Folge zur Gründung des Internationalen Forums) führte: Während einer Waffenruhe vergewaltigen und ermorden vier amerikanische Soldaten eine Vietnamesin. Verhoeven transponiert die wahre Begebenheit in die bayerischen -Wälder. Der damalige Berlinale-Jury-Präsident George Stevens bezeichnete den Film als „antiamerikanisch“ und verlangte dessen Ausschluss vom Wettbewerb.

Mi, 8.7., 19 Uhr und Do, 9.7., 19 Uhr, Summer in the City, Regie: Wim Wenders, BRD 1969

Wenders’ Debüt- und Abschlussfilm – ein Versuch der Ergründung des Verhältnisses zwischen Musik und Bewegung. Im nasskalten Winter hastet ein aus dem Gefängnis entlassener Mann auf der Flucht vor unsichtbaren Verfolgern durch München und Berlin. Intensive Alltagsbeobachtungen, bundesdeutsche Stadtlandschaften als Orte der Isolation, aber auch der Utopie, werden von der Musik Chuck Berrys und der Kinks durchwirkt.

Fr, 10.7., 19 Uhr und Sa, 11.7., 19 Uhr, Jagdszenen aus Niederbayern, Regie: Peter Fleischmann, BRD 1968

Hauptwerk des „Anti-Heimatfilms“ des „Neuen Deutschen Films“ über den jungen Mechaniker Abram, dessen Homosexualität in seinem Heimatdorf auf eine Mischung aus bäuerlichem Starrsinn, konservativer Kirchenmoral und Restbeständen von NS-Ideologie trifft. Quälend präzise spielt der Film alle Eskalationsstufen eines mörderischen Ausschlussverfahrens durch.

So, 12.7., 19.45 Uhr und Mo, 13.7., 19 Uhr, Mathias Kneissel, Regie: Reinhard Hauff, BRD 1971
Tiefgründige Betrachtung des gleichnamigen, von der Gesellschaft in die Außenseiterrolle gedrängten, berüchtigten Räubers. In der Form einer Moritat dokumentiert der Film die verzweifelten Versuche des Protagonisten, Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Di, 14.7., 20 Uhr und Mi, 15.7. 19 Uhr Liebe ist kälter als der Tod, Regie: Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969
Eigenwillige Variation des amerikanischen Gangsterfilm-Genres. In klinisch hellen Bildern, fast leeren Räumen und langen Einstellungen agieren der Zuhälter Franz, seine Freundin Joanna und der Verbrecher Bruno. Das Münchner Unterweltmilieu gleicht einem artifiziellen Experimentierfeld, in dem die komplizierte Dreiecksbeziehung ein jähes Ende findet.

Fr, 17.7., 19 Uhr und Sa, 18.7., 19 Uhr, Fontane: Effi Briest, Regie: Rainer Werner Fassbinder, BRD 1972
„Dies ist kein Frauenfilm, sondern ein Film über Fontane, über die Haltung eines Dichters zu seiner Gesellschaft. Es ist ein Film, der eine Haltung nachvollzieht, von einem, der die Fehler und Schwächen seiner Gesellschaft durchschaut und sie auch kritisiert, aber dennoch diese Gesellschaft als die für ihn gültige anerkennt.“ (Rainer Werner Fassbinder)

So, 19.7., 19 Uhr und Mo, 20.7., 19 Uhr, Lebenszeichen, Regie Werner Herzog, BRD 1968
Schicksal eines deutschen Soldaten Ende des Zweiten Weltkriegs, der über seine Untätigkeit auf einer griechischen Insel den Verstand verliert und Amok läuft. In Stil und Motiven versammelt Herzogs Debütfilm bereits Elemente seiner späteren Werke.

Di, 21.7., 19 Uhr und Mi, 22.7., 19 Uhr Aguire, der Zorn Gottes, Regie Werner Herzog, BRD 1972
Der größenwahnsinnige Abenteurer Aguirre befindet sich in offener Auflehnung gegen Gott und Natur und ist besessen, das mythische Königreich El Dorado zu erobern. Als er sein Ziel nicht erreicht, verfällt er dem Wahnsinn. Eine an Originalschauplätzen verfilmte historische Chronik um Irrsinn, Imperialismus und eine monströse Führerfigur.

Magical History Tour – Neuer Deutscher Film und Nouvelle Vague – 1.-31. Juli, Kino Arsenal

Weitere Programminformationen unter www.aesenal-berlin.de

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