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Neues aus Cannes

Jean-Luc GoddardMit einer Absage enttäuschte Jean-Luc-Godard am Montag Cannes: „Lieber Thierry Fremaux, mit dem Festival gehe ich bis in den Tod“, schrieb der 79-jährige Regisseur in seinem knappen Brief an den Cannes-Leiter, „aber ich mache keinen Schritt darüber hinaus.“ Um in einer weiteren knappen Notiz an seine Produzenten zu ergänzen: „… in der Folge von Problemen griechischer Natur, kann ich Ihnen nicht in Cannes dienen. Herzlich, Jean-Luc Godard“. Es ist nicht das erste Mal, dass Godard das Missverhältnis zwischen der Aufmerksamkeit und der Anerkennung, die er bei solchen Anlässen genießt und dem öffentlichen Desinteresse (von Verleihern und Fernsehanstalten) an seinen Filme, anklagt. Die persönliche Abstinenz in Cannes hat er in diesem Jahr mit gesteuerter, medialer Präsenz kompensiert. Drei, vier Interviews mit französischen Zeitschriften und Blogs (siehe u.a. www.filmsocialisme.com) und die Ankündigung, seinen Film in den zwei Tagen zwischen der Cannes-Premiere am Montag und dem französischen Kinostart online zum Bezahl-Download (www.filmotv.fr) frei zu geben, haben schon vorab für einige Aufmerksamkeit gesorgt. „Film Socialisme“ ist ein skeptischer Gedankenparkour durch das geeinigte Europa und seine mediterranen Ränder, von Frankreich bis Palästina, in dem Godard Funken schlägt, wie die der Begegnung des „Panzerkreuzers Potemkin“ und dem Kreuzfahrtschiff, das der Schauplatz des Anfangsszenen des Films ist. Spielszenen, dokumentarische Schnipsel, Handyclips und YouTube-Videos, dialektische JLG-Bild-Ton-Text-Montagen, sekundenkurze Filmzitate (von „Tsahal“ bis „Medea“) und die gewohnt widerspruchsfreudige Zitatenwelt fusionieren zu einem hermetischen Essay, den man gerne in Zeitlupe ablaufen lassen würde. Auch hier geht es ums Geld: um einen verschollenen Goldschatz der Kommuinistischen Internationale und um Griechenland das sich in Godards Lautlehre auch teuflisch doppeldeutig HELL AS schreiben lässt.

Fortsetzung folgt…

Text: Robert Weixlbaumer

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