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Alltagsdrama

Neues Unaufgeregtes aus der Berliner Schule: „Das freiwillige Jahr“ im Kino

Jette hat das Abitur in der Tasche und steht kurz davor, zu einem freiwilligen sozialen Jahr nach Costa Rica aufzubrechen. Sie ist zerrissen zwischen ihrer Jugendliebe Mario und dem Wunsch, den Erwartungen des Vaters gerecht zu werden

Henner Winckler/ Ulrich Koehler/ Grandfilm

Ulrich Köhler und Henner Winckler, zwei prägende Filmemacher der Berliner Schule mit Filmen wie „Montag kommen die Fenster“ und „In My Room“ (Köhler) oder „Lucy“ und „Klassenfahrt“ (Winckler), haben sich für diesen Film zusammengetan. Und sie bleiben sich treu, mit einer spröde erzählten Alltagsgeschichte, bei der die bewegliche Kamera nah an den völlig ungekünstelten Protagonisten bleibt.

Es ist alles geplant: ein Jahr Costa Rica, mithelfen in einem Krankenhaus – freiwilliges soziales Jahr. So hat es sich der Arzt Urs (Sebastian Rudolph) für seine Tochter Jette (Maj-Britt Klenke) nach ihrem Abitur gedacht. Doch im Gegensatz zur ihrem Vater lebt Jette gerne hier in der westdeutschen Provinz im Landkreis Lippe, und sie fühlt sich immer noch zur Jugendliebe Mario (Thomas Schubert) hingezogen. Als der sie zum Flughafen bringt, entscheidet Jette spontan, nicht nach Mittelamerika zu fliegen und versteckt sich stattdessen mit Mario im VW-Bus in der idyllischen Landschaft. Urs muss währenddessen damit umgehen, dass seine Sprechstundengehilfin Nicole (Katrin Röver) die Affäre mit ihrem Chef dem Ehemann gebeichtet hat.

Erneut ist dies eine anregende Schule des Sehens und Hörens: stimmige Einstellungen, kleine Bemerkungen der Figuren, Berieselung durchs Autoradio, Blicke, Ungesagtes. Zugleich ist „Das freiwillige Jahr“ (an dem für Jette wenig freiwillig ist) eine Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdbestimmung, Dominanz und Rücksichtnahme und der großen Frage der Lebensplanung.

Das freiwillige Jahr D 2019, 86 Min., R: Ulrich Köhler und Henner Winckler, D: Maj-Britt Klenke, Sebastian Rudolph, Thomas Schubert, Katrin Röver,
Start: 6.2.

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