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Nick Cave im Friedrichstadt-Palast

Kürzlich sah man Nick Cave in einem Video-Interview zu seinem Gedichtband „The Sick Bag Song“ in einem leeren Flugzeug über Inspiration und Lyrik sinnieren. Der 57-jährige Australier, seit Langem im englischen Brighton wohnhaft, schrieb die tiefgründigen Verse schließlich während einer US-Tournee auf Airline-Spucktüten. Herausgekommen ist ein mythisches Werk, ganz standesgemäß. Denn der Mythos macht ein großes Stück jener Cave-Faszination aus, die schon Iain Forsyth und Jane Pollard in ihrer Doku „20.000 Days on Earth“ (2014) ergründeten und den von Blues, Bibel und Heroin beseelten „Prinzen der Dunkelheit“ porträtierten, der einem Wanderprediger gleich durch die Welt zieht und düster-exzessive Messen hält.
In Berlin hält sich der Mythos Cave naturgemäß besonders beständig, hat der spindeldürre Junkie in Cowboystiefeln hier in den 80er-Jahren gelebt, gearbeitet und gewütet. Caves Berlin-Konzerte sind daher meist ein Ereignis. Früher im Loft oder im alten Tempodrom, aber auch zuletzt 2013 im Admiralspalast, als er das viel gerühmte Album „Push The Sky Away“ live erprobte. Im Friedrichstadt-Palast, wo ihn vier Bad-Seeds-Instrumentalisten begleiten werden, hat er 1997 schon „The Boatman’s Call“ vorgestellt. Es war ein beeindruckend intimer Auftritt, nichts spricht dagegen, dass sich das Ereignis wiederholt.

Text: Jacek Slaski

Nick Cave, Friedrichstadt-Palast, Friedrichstraße 107, Mitte, Mi 6.5., 20 Uhr, ausverkauft

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