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Nina Hoss in „Gold“ im Kino

Gold

Kanada 1898. Emily Meyer (Nina Hoss) kommt aus Bremen, sie war vier Jahre lang Dienstmädchen in Chicago, hat geheiratet und sich wieder scheiden lassen. Jetzt setzt sie ihre Hoffnung auf Gold, wie so viele arme Immigranten, und schließt sich einer Gruppe Deutscher an, die quer durch die Wildnis Kanadas reiten wollen, um nach Dawson zu gelangen, wo zwei Jahre zuvor Goldfelder entdeckt wurden. 2.500 Kilometer durch unwegsames Gelände – der Klondike-Goldrausch forderte viele Opfer, und Regisseur Thomas Arslan lässt nie einen Zweifel daran, dass diese Expedition nicht besonders gut gehen wird. Eine dumpfe, unheimliche Musik begleitet den Treck von Anfang an, während die Reiter sich langsam, allzu langsam vor einem impressionistisch gefilmten Himmel vorwärts bewegen. Damit ist die Geschichte des Filmes schon fast erzählt: Er besteht zum großen Teil aus langen, ästhetischen, aber eintönigen Reitszenen, in denen zunehmend Verzweiflung spürbar wird.
Landkarten stimmen nicht, manchmal helfen ein paar einsilbige Indios gegen ein paar Dollar Bezahlung weiter mit der Route. Der Planwagen bricht ein, es gibt Führungsstreitigkeiten, einige Mitglieder des Trecks setzen sich ab. Nach 45 Minuten unheilsschwangerer Musik und Reiten durch die Natur wünscht man der Truppe dringend ein GPS, um ihre Orientierungsprobleme zu lösen. Nach einer Stunde Verlorenheit in der Wildnis sind nur noch vier der ursprünglich sieben Abenteurer dabei. Und die werden dann in den restlichen 40 Minuten auch nochmals drastisch dezimiert. Eine Bärenfalle kommt zum Einsatz, die obligatorische Amputation ohne Narkose und ein schwerer Fall von Wildnis-Koller, bevor der unvermeidliche, vom Zuschauer spätestens ab der Hälfte des Films sehnsüchtig erwartete Tiefpunkt erreicht ist.
Vieles ist klug an dem Film, die Bilder sind wunderschön und die Schauspieler (und ihre Reitkünste) beeindruckend. Das Konzept ist klar, Arslan hat es auch in Interviews formuliert: Es geht darum, die Erfahrung der endlosen Weite und ihrer Eintönigkeit selbst wiederum erfahrbar zu machen. Das heißt aber leider auch, dass der Zuschauer im Kinosaal mehr als anderthalb Stunden Langeweile und langsam ansteigende Verzweiflung nacherleben muss.

Text: Catherine Newmark

Foto: Patrick Orth © Schramm Film

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Gold“ im Kino in Berlin

Gold, Deutschland 2013; Regie: Thomas Arslan; Darsteller: Nina Hoss (Emily Meyer), Marko Mandic (Carl Böhmer), Lars Rudolph (Joseph Rossmann); 100 Minuten; FSK 12

Kinostart: 15. August

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