Drama

„Nocturnal Animals“ im Kino

Hochkultur und Trash: „Nocturnal Animals“ von Tom Ford

Foto: Merrick Morton/Focus Features

Fette Frauen tanzen in Zeitlupe, sie vollziehen die groteske Parodie eines Rituals, das man üblicherweise mit den Muskeln eines Magic Mike oder den Silikonbrüsten von Showgirls assoziiert. Die Szene ist so eindeutig Trash, dass sie nur Hochkultur sein kann. Wir sind bei einer Vernissage, und zugleich am Beginn eines Films: „Nocturnal Animals“ von Tom Ford. Die Hauptfigur, die Künstlerin Susan Morrow, lässt echte Skandalstars wie Damien Hirst mit ihrem Werk geradezu züchtig wirken. Hinter dem ersten Eindruck der alles kontrollierenden Supermanagerin eines Einpersonenkonzerns aus dem internationalen Kunst-Jetset verbirgt sich jedoch eine verletzliche Frau, perfekt verkörpert von Amy Adams. Sie hat dann auch die gar nicht so leichte Aufgabe, einen guten Teil von „Nocturnal Animals“ auf dem Sofa zu verbringen.
Susan Morrow liest einen Roman mit dem Titel „Nocturnal Animals“: ein Mann samt Frau und Tochter auf einer Straße in Texas, bedroht von drei Männern. Man kennt diese Konstellation aus Sam Peckinpahs Klassiker „Straw Dogs“, sie wird hier allerdings nicht als Belagerungsszenario erzählt, sondern als eine langwierige Parabel über Gewalt und Rache. Tom Ford interessiert sich mit seinem zweiten Spielfilm dafür, wie eine Kultur, die zutiefst auf Verfeinerung und Raffinement beruht, sich zu ihrem Gegenüber verhält, zu ungehobelten Gestalten, die mit ihrer entfesselten Virilität jegliche Kultur sprengen. Lösen lässt sich diese Spannung nicht wirklich, sie durchzieht „Nocturnal Animals“ und sorgt auch für manchen ungelenken Moment.

Nocturnal Animals USA 2016, 116 Min., R: Tom Ford, D: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Aaron Taylor-Johnson, Start: 22.12.

Bewertungspunkte4

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