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„Nokan – Die Kunst des Ausklangs“ im Kino

180.000 Yen hat der junge Musiker Daigo Kobayashi für sein Cello bezahlt, doch kaum nennt er es sein Eigen, wird sein Orchester aufgelöst, und er ist arbeitslos. Er sucht nach einer neuen Beschäftigung und findet sie an dem Ort seiner Kindheit: Herr Kobayashi lernt, wie man Menschen auf Reisen begleitet. Genau genommen: auf der letzten Reise. Denn in Yojiro Takitas „Nokan – Die Kunst des Ausklangs“ geht es um das Bestattungswesen. Tsutomu Yamazaki spielt den Meis­ter der rituellen Einsargung, die hier tatsächlich in jeder Hinsicht als eine Kunst erscheint.
In Amerika hat „Nokan“ heuer überraschend den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewonnen. Sobald man ihn gesehen hat, wird die Überraschung verständlich: Dies ist ein perfekt kalkuliertes Erbauungswerk, in dem jedes Detail von der Überlegenheit einer traditionellen Lebensweise kündet, der sich Herrn Kobayashi über die Schamgrenze hinweg annähert. „Nokan“ zeigt, dass der Tod kein Tabu ist, wenn man ihn durch Kultur einhegt. Das mag ein trostreicher Gedanke sein, macht den Film aber auch zu einem arg frommen Vergnügen.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Nokan – Die Kunst des Ausklangs“ im Kino in Berlin

Nokan – Die Kunst des Ausklangs (Okuribito), Japan 2008; Regie: Yojiro Takita; Darsteller: Masahiro Motoki (Daigo Kobayashi), Ryoko Hirosue (Mika Kobayashi), Tsutomu Yamazaki (Ikuei Sasaki); Farbe, 130 Minuten

Kinostart: 26. November

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