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„Noordzee, Texas“ im Kino

Noordzee, Texas

Von den Eltern bei sexuellen Selbsterkundungen gestört zu werden, ist in aller Regel schrecklich peinlich. Etwa wenn man wie der Schulbub Pim zu Beginn von „Noordzee, Texas“ nackt vor dem Fenster posiert – bekleidet nur mit Schärpe und Krönchen aus Mutters Zeiten als Schönheitskönigin. In den frühen Sechzigern irgendwo an Belgiens Nordseeküste spielt Bavo Defurnes behutsam erzählte Coming-of-age-Geschichte. Die Haupthandlung folgt Pim als Teenager: Als Sohn der berüchtigtsten Lebedame am Ort macht der verträumte Jüngling alles Wesentliche mit sich allein aus; dazu gehört auch das Geheimnis mit dem besten Freund, mit dem Pim erste sexuelle Abenteuer erlebt.
Ein Hochgefühl, das jäh abbricht, als der Freund sich plötzlich einem Mädchen zuwendet. Mehr Verwicklungen braucht der Film nicht, um berührend und dicht von Freundschaft, Familie und der Gefühls­achterbahn erster Liebe zu erzählen. Besonders Jelle Florizoone prägt sich mit leiser Art als ätherischer Protagonist ein. Wunderbar besetzt sind auch die Nebenfiguren, deren Schrullen und Schwächen dem Film warmen Humor verleihen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Salzgeber

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Noordzee, Texas“ im Kino in Berlin

Noordzee, Texas, Belgien 2011; Regie: Bavo Defurne; Darsteller: Jelle Florizoone (Pim), Mathias Vergels (Gino), Eva van der Gucht (Yvette); 98 Minuten; FSK 12

Kinostart: 10. Mai

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