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„Nordstrand“ im Kino

Nordstrand

Mauern, die Männer um ihr Gefühlsleben ziehen, wenn sie als Kinder elterlicher Gewalt ausgesetzt waren, sind Florian Eichingers Thema. Wie in seinem Spielfilmdebüt „Bergfest“ (2008) ist ein abgelegener Ort Schauplatz der Konfrontation mit dem verdrängten Familiengeheimnis. Marten (Martin Schleiß) müht sich, das verlassene Backsteinhaus hinter der Düne, in dem die Mutter vor Jahren den tyrannischen Vater umbrachte, für ein Treffen mit seinem jüngeren Bruder Volker (Daniel Michel) wiederzubeleben. Mit Volker will er die Mutter am Gefängnistor abholen, doch der Jüngere will der Mutter und dem Bruder nicht verzeihen, dass sie sich bei den Quälereien des Vaters nicht schützend vor ihn gestellt haben. Ob der Alte ihn als Kuckuckskind hasste, wird in den seltsam irrealen Flashbacks nicht deutlich. Im Mittelpunkt steht der Bruderzwist, ein vom Trauma überdeckter Zweikampf um Anerkennung. Das Wechselspiel der Rempeleien und Wortgefechte am unwirtlichen Strand ergibt trotz der dramaturgischen Leerstellen interessantes physisches Kino.

Text: Claudia Lenssen

Foto: Andrй Lex  / Farbfilm Verleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Nordstrand“ im Kino in Berlin

Nordstrand, ?Deutschland 2012; Regie: Florian Eichinger; Darsteller: Daniel Michel (Volker), Martin Schleiß (Marten), Luise Berndt (Enna); ?93 Minuten; FSK 12

Kinostart: 23. Januar

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