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„Nowhere Boy“ im Kino

Nowhere Boy

Am Mittwoch, den 8. Dezember, jährt sich zum 30. Mal der Todestag von John Lennon, und an diesem Tag kommt auch dieser Film über seine Jugend in die deutschen Kinos. Biopics, gerade von Künstlern, tendieren immer dazu, in deren frühen Jahren nach den Antrieben für deren Kreativität zu suchen, nach frühkindlichen Traumata, die später künstlerisch verarbeitet wurden. „Nowhere Boy“ macht da keine Ausnahme, mit den mehrfach eingeschobenen Erinnerungsfetzen von einem alleingelassenen Kind, die sich erst am Ende zu einem vollständigen Bild zusammensetzen. Hier geht es allerdings nur um einen bestimmten Lebensabschnitt, um Lennons Jugend in Liverpool während der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre.
Verglichen mit ihrem kurzen Debüt „Death Valley“ (2006) ist der erste Langfilm der Künstlerin Sam Taylor-Wood vergleichsweise konventionell ausgefallen, innerhalb dieses Rahmens aber durchaus stimmig. Am Ende des Films erklingt Lennons Song „Mother“, das summiert die Geschichte, die „Nowhere Boy“ erzählt. John wächst bei seiner Tante Mimi auf, nicht wissend, dass seine leibliche Mutter Julia ganz in der Nähe wohnt. Erst beim Begräbnis seines Onkels sieht er sie und sucht von da an den Kontakt zu ihr. Ist Mimi reserviert und bestimmend, so ist ihre jüngere Schwester Julia lebenslustig – ihrem Sohn gegenüber verhält sie sich eher wie eine Freundin und nicht wie eine mütterliche Autoritätsperson. Wenn sie beide „I Put a Spell on You“ hören und der Film dazu Bilder von John und einer Freundin beim Sex montiert, dann macht der Film die Implikationen dieser Beziehung deutlich.
Sam Taylor-Wood zeigt Lennons Verweigerung gegenüber den Autoritäten ebenso wie seinen Sarkasmus, der regelmäßig ins Verletzende umschlägt. Erst als er mit seiner Mutter im Kino in einer Wochenschau Elvis Presley sieht, wird die Entdeckung der Musik zum Ventil für seine Emotionen. Am Ende taucht dann auch ein gewisser Paul auf – der wirkt wie ein Streber. Der 15-Jährige trinkt Tee, kein Bier: Lennon macht aus seiner Abneigung kein Hehl, muss aber zugeben, „der Junge versteht etwas von Musik“.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Nowhere Boy“ im Kino in Berlin

Nowhere Boy, GB/Kanada 2009; Regie: Sam Taylor Wood; Darsteller: Aaron Johnson (John Lennon), Kristin Scott Thomas (Mimi), Anne-Marie Duff (Julia); 98 Minuten; FSK 6

Kinostart: 8. Dezember

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