Gangsterdrama

„Nur Gott kann mich richten“ im Kino

Viel Testosteron und Machomännerkonflikte

Constantin

Die vermeintlich so simple wie linke Abzocke eines Drogendeals läuft glorios aus dem ­Ruder, nun müssen die Brüder Ricky und Rafael einen Riesenhaufen Geld auftreiben, und zwar von jetzt auf gleich. Viel Geld, und zwar für das neue Herz ihrer Tochter, braucht auch die Streifenpolizistin Diana, die nicht ganz unschuldig am Schiefgehen des „letzten großen Dings“ von Ricky und Rafael war. Sie versucht nun aufs Stümperhafteste, den „Schnee“ im Frankfurter Milieu in bare Münze zu verwandeln. Währenddessen reiten sich die Brüder immer weiter rein in den Morast gesetzloser Machenschaften.

„Nur Gott kann mich richten“ ist ein angemessen großmäuliger Titel für diesen breitbeinig daherkommenden, testosterongeblähten Gangsterfilm, mit dem sich Özgür Yıldırım nach „Chiko“ (2008), „Blutzbrüdaz“ (2011) und „Boy 7“ (2015) erneut als entschiedener ­Genre-Regisseur mit Hang zum Grobgeschnitzten zeigt. Das ist nicht Jedermanns Sache, und Jederfraus (im Film fast durchgehend „Fotzen“ genannt) schon gar nicht. Aber wer immer mal wissen wollte, wie ein verfilmter deutscher Gangsta-Rap-Song wohl aussehen mag, der bekommt hier umfassend Bescheid. Abgesehen vom tiefergelegten ­Niveau der Dialoge und von Männerfiguren, deren Ansichten selbst einem Neandertaler veraltet erscheinen, wartet Yıldırım mit drei echten Pluspunkten auf: seiner beherzt aufspielenden Besetzung, seinem mitreißend hitzigen Temperament und seiner wohltuenden Unbekümmertheit um die Konventionen deutschen Filmschaffens.

Nur Gott kann mich richten D 2017, 100 Min., R: Özgür Yildirim, D: Moritz Bleibtreu, Kida Khodr Ramadan, Edin Hasanovic, Birgit Minichmayr, Start: 25.1.

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