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„Oben“ und „Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian“ im Kino

Zehn abendfüllende Spielfilme hat das Pixar-Animationsstudio in den letzten 14 Jahren geschaffen, und ein schlechter befand sich bislang nicht darunter. Doch die beeindruckende Bilanz schafft auch Erwartungshaltungen bei Pu­blikum, Kritikern und Finanzinvestoren, denen sich das Studio nun stellen muss. Sollte Pixar jemals einen Flop produzieren, wird der Mutterkonzern Disney in erns­te Schwierigkeiten geraten.
Für das jüngste Produkt „Oben“ kann sicherlich Entwarnung gegeben werden: Der Computeranimationsfilm um die Freundschaft des fast 80-jährigen Grantlers Carl mit dem dicklichen kleinen Pfadfinder Russell ist so bezaubernd, wie man es von Pixar gewohnt ist. Doch man kann dem Werk der Regisseure Pete Docter und Bob Peterson auch den Spagat anmerken zwischen den ruhigen Passagen, die zeigen, wozu die Pixar-Crew künstlerisch fähig ist, wenn sie sich von kommerziellen Erwartungshaltungen frei macht, und den Action-Sequenzen, die den – vermeintlichen – Wunsch des Publikums nach Tempo und Aufregung befriedigen sollen.
Die erste Viertelstunde des Films, die, überwiegend als Montagesequenz gestaltet, das Leben Carls mit seiner Frau Ellie von der Kindheit bis zu Ellies Tod in höherem Alter nachvollzieht, gehört zum Schönsten, was man sich in diesem Jahr im Kino ansehen kann: Das Zusammentreffen des schüchternen Carl mit der lebhaften Ellie durch die gemeinsame Begeisterung für den Abenteurer Charles Muntz, die schlaglicht­artig hingeworfenen Schicksalsschläge (etwa wenn sich herausstellt, dass das Paar keine Kinder bekommen kann), die aus finanziellen Gründen immer wieder verschobene Traumreise nach Paradise Falls in Südamerika („It’s like America – only south“, wie die noch kindliche Ellie kommentiert), die kleinen Freuden des Alltags und der liebevolle Umgang miteinander – das alles ist großes Geschichtenerzählen in nur wenigen Minuten, anrührend und komisch zugleich.
Die eigentliche Story nach dieser fantastischen Exposition, in der Carl und Russell – per ballonbetriebenem Haus – tatsächlich nach Paradise Falls fliegen, wo sie auf den mittlerweile verrückten alten Charles Muntz treffen, bewegt sich dann in deutlich konventionellerem Fahrwasser, bleibt jedoch mit seinen ungewöhnli­chen Helden immer charmant.
Große Erwartungen knüpfen sich auch an den jüngsten Film des erfolgreichsten deutschen Trick­filmers Thilo Graf Rothkirch: Mit „Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian“ haben die Regisseure Rothkirch und Piet De Rycker nicht nur erstmals mit einem chinesischen Animationsstudio zusammengearbeitet, sondern sie versuchen auch, den chinesischen Markt zu knacken, indem sie Laura samt Stern und Familie ins Reich der Mitte verfrachten, wo das Mädchen nunmehr auf die gleichaltrige Ling Ling trifft.
Künstlerisch ist dem Film kein Mangel anzumerken, im Gegenteil: Die Ansichten chinesischer Landschaften und der modernen Häuserschluchten in der Großstadt sehen aufwendig und attraktiv gezeichnet aus und sind mit liebevollen Details gestaltet. Leider aber wurde vergessen, dem Film, der sich an Kinder im Vorschulalter richtet, auch eine tragfähige Geschichte zu spendieren: Im Gegensatz zu den fantasievollen und abwechslungsreichen Szenen des ersten „Laura“-Films bleiben hier eigentlich nur zwei leicht hysterisch herumrennende kleine Mädchen in Erinnerung, die in dauernden Variationen der gleichen Szene wahlweise „Wo ist der Stern?“ oder „Wo ist der Drache?“ rufen. Eine milde Enttäuschung.

Text: Lars Penning

Oben (Up), USA 2009; Regie: Pete Docter und Bob Peterson; Deutsche Stimmen: Karlheinz Böhm, Dirk Bach; Farbe, 96 Minuten
tip-Bewertung: Sehenswert
Foto: Pixar/Disney

Orte und Zeiten: „Oben“ im Kino in Berlin

Kinostart: 17. September

 

Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian, Deutschland 2009; Regie: Piet De Rycker und Thilo Graf Rothkirch; Sprecher: Annabel Wolf, Mariann Schneider, Dirk Bach; Farbe, 74 Minuten
tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian“ im Kino in Berlin

Kinostart: 24. September

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