Krimikomödie

„Ocean’s 8“ im Kino

Große Gaunerstücke waren bisher fast immer eine Angelegenheit von Männergruppen. So war das auch noch, als Steven Soderbergh 2001 im „Ocean’s Eleven“ das kleine Genre des „heist movies“ wiederbelebte, mit George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon und einer Reihe von weiteren Stars, denen damals nur Julia Roberts als Vertreterin des weiblichen Geschlechts gegenüberstand. Das Remake eines Films aus den 60er-Jahren war so erfolgreich, dass Fortsetzungen nicht ausbleiben konnten.

Foto: Warner Bros/Barry Wetcher

Es bedurfte aber des Ausscheidens von George Clooney, damit nun mit „Ocean’s 8“ ein neuer Anfang gemacht werden kann: Hier sind es ausschließlich Frauen, die sich zu einem großen Angriff auf das Metropolitan Museum in New York zusammentun. Sandra Bullock spielt Debbie Ocean, die Schwester von Danny, die ihrem verblichenen Bruder gern die Ehre eines ebenbürtigen Coups erweisen würde. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, macht sie sich auch schon an die Arbeit. Zuerst wendet sie sich an ihre alte Freundin Lou (Cate Blanchett), der Rest des Teams wird nach einschlägigen Kompetenzen besetzt, wobei da durchaus immer an zwei Dinge gleichzeitig zu denken ist: an das Drehbuch und an die Starpolitik in Hollywood in Zeiten der Globalisierung.

So wird zum Beispiel die dritte Frau im Bunde, die Debbie und Lou hinzuziehen, von Mindy Kaling gespielt, einer Komikerin mit tamilo-bengalischem Migrationshintergrund, die zudem ein anderes, nicht ganz so diätaffines Körperbild repräsentiert wie Ann Hathaway, die in „Ocean’s 8“ „den schönsten Hals der Welt“ spielt. Mit unverhohlenem Hang zum Klischee und zu popkulturellen Win-Win-Synergien geht es in der Liste weiter: Rihanna schmaucht als Hackerin einen dicken Joint, die Asioamerikanerin Awkwafina fungiert als Taschendiebin, während für die Position einer ins Metropolitan Museum eingeschleusten Koordinatorin natürlich eine Etepetete-Blondine gebraucht, was mit Sarah Paulson („American Horror Story“, „Feud“) ganz gut gelöst wird.

Die Figur der schussligen Modeschöpferin Rose Weil (Helena Bonham-Carter) ist hingegen so richtig missraten. Die erste Stunde von „Ocean’s 8“ zieht sich ein bisschen, der eigentliche „heist“ ist dann halbwegs elegant und sogar minimal spannend. Aber im Grunde hätte diese Idee mehr Kreativität und Esprit verdient als das, was Regisseur Gary Ross und Drehbuchautorin Olivia Milch sich für „Ocean’s 8“ haben einfallen lassen.

Ocean’s 8 USA 2018, 110 Min., R: Gary Ross, D: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Rihanna, Start: 21.6.

 

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