Kino & Stream

Öffentliche Filmvorführung in Saudi-Arabien

Journey To Mecca

Im Königreich Saudi-Arabien ist Kino seit 1982 nach islamischen Recht verboten. Vor 30 Jahren verschwanden damit Filmtheater von der Bildfläche, Filme guckt man seitdem ausschließlich in den eigenen vier Wänden, etwas via Satellitenanschluss. Umso bemerkenswerter ist die Meldung, dass in der Hafenmetropole Dschidda jetzt eine öffentliche Filmvorführung stattfand, wie das US-Branchenblatt „Variety“ berichtet. Im Jeddah Hilton wurde „Journey to Mecca“ (Szenenbild) gezeigt, eine schon drei Jahre alte IMAX-Doku von Bruce Neibaur, die die Pilgerreise des marokkanischen Forschers Ibn Battuta nach Mekka im 14. Jahrhundert beschreibt. Dschidda ist passenderweise das Tor nach Mekka, das nur 70 Kilometer entfernt im Landesinneren liegt. Prinz Turki bin Faisal Al Saud hatte den Film vorher mit einer Art persönlichem Prädikat versehen: dieser würde den Islam akkurat und auf respektvolle Weise porträtieren.
Der Film wurde teilweise in der Provinz Mekka gedreht und entstand mit saudischen Finanzierungs – und Koproduktionspartnern. Einer von ihnen, Abdulrahman Al-Zamil, erklärte gegenüber „Variety“, dass die friedlich verlaufene Filmpremiere in Dschidda von großer Bedeutung sei und zeige dass es einen Markt für solche Filme im Land gäbe.
Weibliche Gäste waren zur Premiere im Ballsaal des Hilton zwar zugelassen, eine Trennwand im Saal sorgte jedoch für Geschlechtertrennung vor der Leinwand. 2008 fand schon einmal eine Filmvorführung in Dschidda statt – die erste seit dem Kinoverbot von 1982. Der gezeigte Film war die vom saudischen Prinzen Alawaleed bin Talal produzierte Komödie „Manahi“. Damals waren Frauen nur auf dem Balkon des Vorführsaals zugelassen.
Dass mit der Filmvorführung in Dschidda nun das Kinoverbot in dem streng religiösen Land gelockert wird, ist nicht zu erwarten. Doch besteht offenbar die leise Hoffnung, dass weitere Sondervorführungen folgen könnten.

Quelle: Blickpunkt:Film

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