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„Ohne Genehmigung. Die Filme von Renй Vautier“ im Zeughauskino

Vautier_Mit_20_Jahren_in_den_Aures_2_c_FelixLeGarrecAls der NDR im Jahr 1974 ein Porträt des französischen Filmemachers Renй Vautier ausstrahlte, wurden darin nicht nur seine Werke in chronologischer Form vorgestellt, sondern auch die damit zusammenhängenden Gefängnisaufenthalte abgehandelt.
Vautier war einer der bedeutendsten Cineasten des antikolonialen Kampfes, in Frankreich bekam er es deswegen mehrfach mit den Autoritäten zu tun. Von 51 Filmen Vautiers wurden 44 verboten. Vor allem Algerien hatte es ihm angetan, hier drehte er 1958 den Dokumentarfilm „Flammendes Algerien“, einen unter Lebensgefahr entstandenen Kriegsbericht, bei dem die DEFA als Koproduzent dabei war. Heute ist die Aufbruchshoffnung, die sich mit der Entkolonialisierung verband, vielfach gebrochen.

Vor diesem Hintergrund bekommt die Filmschau „Ohne Genehmigung“ im Zeughauskino erst ihre eigentliche Brisanz. Die Kuratoren Madeleine Bernstorff und Sebastian Bodirsky zeigen nämlich nicht nur die noch erhaltenen Filme von Vautier, sondern schreiben dessen Engagement mit Beiträgen etwa von Minze Tummescheit und Arne Hector (Cinйma copains) bis in die Gegenwart weiter. So kommen auch Aspekte in den Blick, die gerade das euphorische Bild von Algerien, das nach der Unabhängigkeit eine Weile herrschte, differenzieren helfen. In einem Doppelprogramm, in dem mit „Elles“ (1966) und „Lettre а ma soeur“ (2006) zweimal auf die Rolle der Frauen in dem zwischen staatssozialistischen Tendenzen und muslimischem Fundamentalismus zerrissenen Land eingegangen wird, zeigt sich eine Entwicklungslinie, die nicht notwendig zu mehr Freiheit führt. Vautier selber wurde mit einem Film über die Folter, der sich viele Franzosen in Algerien schuldig gemacht haben, unvermutet zu einem Zeugen gegen den Rechtspopulisten Le Pen. In diesem Zusammenhang wurde 1985 das persönliche Archiv von Vautier vandalisiert, worauf er in seinem Film „Dйstruction des Archives au fort du Conquet“ eingeht.

Nach seiner Rückkehr aus Algerien widmete sich Vautier in seinen Filmen den Veränderungen, denen die traditionelle Arbeiterkultur unterlag: In „Ein Platz an der Sonne“ geht den angestammten Campern allmählich das Gelände am Meer aus, weil sich Ferienresorts breitmachen. Vautier hat sich nie als Künstler, sondern immer als Teil einer Bewegung verstanden. „Ohne Genehmigung“ ist dementsprechend eine Filmschau nicht einfach über einen Helden, sondern über einen politischen Zusammenhang, für den Vautier mit großer persönlicher Integrität einsteht. 

Text: Bert Rebhandl

Foto: Fйlix Le Garrec

Ohne Genehmigung. Die Filme von Renй Vautier Mi 5.12. bis Mo 10.12. im Zeughauskino; www.dhm.de/kino

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