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Die Dokumentation „The One man Village“ im Kino

Anfangs wirkt die Dokumentation des libanesischen Regisseurs Simon El Habre lediglich wie das Porträt eines leicht exzentrischen Verwandten: Vor fünf Jahren hat Simons Onkel Semaan der Stadt den Rücken gekehrt und ist in sein Elternhaus auf dem Land zurückgezogen. Jetzt besitzt er ein paar Kühe und verkauft die Milch. Ungewöhnlich ist nur, dass außer ihm niemand mehr im Dorf wohnt – alle ursprünglichen Bewohner haben ihr Zuhause verlassen.
Dass die Geschichte auch eine politische Dimension hat, erfährt man erst später. Dann nämlich kommen auch andere Mitglieder der weitläufigen El-Habre-Familie ins Dorf, wo sie aber lediglich im Sommer ihre Felder bestellen, seit sie, die Christen, 1982 im libanesischen Bürgerkrieg zwischen Israelis und drusischen Milizen aufgerieben wurden und flüchten mussten. So stehen sich zwei Parteien gegenüber: Die einen trauen dem Aussöhnungsprozess nicht und trauern vergangenen Zeiten hinterher, Semaan hingegen geht unbeirrt seinem Tagwerk nach. Für seine Protagonisten nimmt sich der auch ästhetisch ansprechende Film viel Zeit und belohnt den geduldigen Zuschauer mit interessanten Ein- und Ansichten aus einem gebeutelten und zerrissenen Land.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The One Man Village“ im Kino in Berlin

The One Man Village (Semaan Bil Day’ia), Libanon 2008; Regie: Simon El Habre; Farbe, 86 Minuten

Kinostart: 10. September

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