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„Open Souls“ im Kino

Open_Souls„I still have these dreams about being homeless“, sagt Rudi Richardson gegen Ende der Dokumentation „Open Souls“ einmal, und das ist nicht so leicht zu übersetzen. Zwar war Rudi, der mittlerweile in London eine Hilfsorganisation für Obdachlose betreibt, selbst längere Zeit obdachlos, doch er meint auch etwas anderes: das Fehlen von Zugehörigkeit, eines Mittelpunktes im Leben, einer Heimat. Denn Rudi und der zweite Protagonist in Volker Meyer-Dabischs Film, Alberto, wurden Mitte der 1950er-Jahre jeweils im Gefängnis als Sohn einer deutschen Mutter und eines farbigen US-Soldaten geboren: Heime, Missbrauch, Gewalttätigkeiten und Adoption prägten das Leben der beiden Männer als Kinder, sowie ein bis heute währendes Gefühl, ausgeliefert zu sein und betrogen zu werden. Ihre deprimierenden Schicksale machen betroffen und wütend – doch diese Dauer-Emotionalisierung wird auch zum Problem des Films. Denn nur allzu schnell ist man bereit, die Einzelschicksale verallgemeinern zu wollen. Doch dafür bietet „Open Souls“ keine Grundlage, ein kleiner Nachsatz im Abspann, „die meisten“ der sogenannten Mischlingskinder seien damals schlecht behandelt worden, reicht da nicht aus.       

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Open Souls“ im Kino in Berlin

„Open Souls“ Deutschland 2011; Regie: Volker Meyer-Dabisch; 88 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 15. Dezember

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