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„Ophüls & Ophüls“-Retrospektive im Zeughauskino

Hotel TerminusEin vergleichbarer Formwille zeichnet auch das Њuvre Marcel Ophüls’ im zeit­geschichtlichen Dokumentarfilm aus. Erst nach dem Misserfolg seines zweiten Spielfilms übersiedelte Marcel Ophüls in dieses Genre, aber seine Arbeiten sind nicht nur herausragende Beispiele eines Kinos, das wie in ­“Le chagrin et la pitiй“ oder „The Memory of ­Justice“ große und kleine Geschichte zugleich erzählt, sondern immer auch be­mer­kens­wert in der radikalen, subjektiven ­Montage, die etwa in „Hфtel Terminus. The Life and Times of Klaus Barbie“ die Gesangskunst der Wiener Sängerknaben auf Kol­lisionskurs mit Klaus Barbie, dem Gestapo-Schlächter von Lyon, bringt. Anders als in Wien, wird das Werk von Vater und Sohn nun im Zeughauskino schon im Spielplan verwoben: „Ich fand es interessant, diese beiden Regisseur, die ja ganz naheliegend familiär zusammenhängen, in ein Programm zu packen, und zu schauen, was dann passiert“, sagt Frieß.
Das Zeughauskino gewinnt mehr und mehr ein Publikum zurück, das mit der jahrelangen Renovierung des DHM verloren gegangen war. Angesichts der Umbrüche, ­die die Digitalisierung des Filmerbes und seine fast schrankenlose Verfügbarkeit im Internet und auf DVD parallel ausgelöst hat, ist ­das keine geringe Leistung. Seit der Wiedereröffnung 2004 sind die Besucherzahlen des Zeughauskinos Jahr für Jahr gestiegen. „Wir hatten 2009 einen Rekord und waren bei knapp 20.000 Zuschauer“, freut sich Frieß. Veranstaltungen wie die Berlinale oder das Interfilmfestival, die hier auch zu Gast sind, tragen zum guten Besucherschnitt (42 Be­sucher pro Vorstellung) bei, sie gleichen aus, was sich bei besonders ambitionierten ­Reihen kaum erreichen lässt.
Ophüls & OphülsFinanziert wird das Kino über das DHM direkt vom Bund, seine Aufgaben sind stark über das Museum definiert: Vermittlung von deutscher Filmgeschichte im internationalen Kontext, filmpädagogische Arbeit, ausstellungsbegleitende Filmreihen. Retrospektiven wie die Ophüls-Reihe passen sich perfekt in den Auftrag ein, aber auch sie sind nur ein Teil eines Programms, das in alle Richtungen strebt. Dafür sorgt gerade auch die Gruppe, die sich im Zuge eines Filmseminars bildete, das Frieß an der FU gab, und die inzwischen unter dem Label „The Canine Condition“ ­firmiert. Sie hat die Reihe „Spuren eines ­Dritten Kinos“ organisiert, die bis Ende Juni lief. Wie zuvor schon mit der Filmreihe „Revolutionen aus dem Off“, die aus dem selben Umkreis kuratiert wurde, findet das Zeughauskino da Anschluss an eine neue Generation von jungen, akademisch geprägten Cinephilen, die an den Rändern des ­kanonisierten Kinos neue Blickschulen suchen. Auch als Ort, der jenes Weltkino abbildet, das seinen Weg sonst nicht mehr auf die Leinwände findet, ist das Zeughauskino unverzichtbar: „Die A-Produktionen, die in Cannes oder Venedig laufen,  kommen nicht mehr bis Berlin. Wenn wir also so etwas machen, wie Raya Martin im Rahmen von ‚Spuren eines Dritten Kinos‘, dann ist das auch der Versuch, diese Filme wenigstens für eine, zwei Vorführungen nach Berlin zu bringen.“
Nach der Sommerpause, die im August beginnt, eröffnet das Zeughauskino im ­September mit neuer Vielfalt wieder: Auf dem Programm stehen dann Ritterkino, ­(Anti)Suffragetten-Filme, Henny Porten und Hitler-Porträts – mit kleinen Überraschungspackungen.

Text: Robert Weixlbaumer

Ophüls & Ophüls, Zeughauskino, Mi 30.6. bis Sa 31.7.

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