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„Ophüls & Ophüls“-Retrospektive im Zeughauskino

Der Saal erinnert ein wenig an eine Volkshochschule, zwischen den Fenstervor­hängen, die erst zu Vorstellungsbeginn zugezogen werden, kann leicht mal ein schmaler Spalt mit Licht von der Straßenseite bleiben, das Kino ist so schmucklos wie nur möglich. Doch wenn man Jörg Frieß (Foto unten), den Leiter des an der Spreeseite gelegenen Kinos des Deutschen Historischen Museums danach fragt, welche Vorstellung er von seinem Publikum hat, dann verwandet sich der Mangel in Qualität.Das Zeughauskino hat vielleicht gerade Zuschauer, die das, was man als Manko beschreiben kann, genießen. Manchmal sitze ich auch im Kino, sehe das Stehpult, die Bestuhlung, es ist ja ein Stück weit auch ein Veranstaltungsraum. Aber dann andererseits: diese Vorhänge, der Blick auf den Dom durch die Fenster, der Umstand, dass es ein Mu­seumskino ist, dass wir direkt mit dem Film anfangen, ohne Werbung, dass es selten ausverkauft ist, die klassische Einführung … Ich glaube, wir haben Zuschauerinnen und ­Zuschauer, die dieses Bildungsbürgerliche, dieses ruhige, konzentrierte Schauen schätzen“, sagt Frieß.
Jörg FrießSeit 2006 leitet Jörg Frieß das Kino als Nachfolger Rainer Rothers. Sein Team ist winzig. Im Grunde besteht es aus Frieß selbst, einer Sachbearbeiterin, zwei weiteren Mitarbeitern, die sich eine Stelle teilen, und den drei Vorführern, die täglich außer Montag die Filme projizieren. Die Mannschaft ist klein, aber das Programm dennoch aufwendig zusammengestellt, externe Kuratoren steuern immer wieder Konzeptionen für ­Reihen bei, Kooperationen mit anderen ­Cinematheken ermöglichen Synergien bei der Recherche oder der Kopienbeschaffung. Ein Prozess, der angesichts immer höherer Ansprüche der Rechteinhaber nicht einfacher wird: „Schon bei Kopien, die noch vor zwei Jahren im Verleih waren, landet man schnell bei einem Weltvertrieb, der unter Umständen astronomische Preise verlangt. Man macht sich als Zuschauer oft gar nicht klar, wie wertvoll die Vorführung ist, die man da gerade erlebt.“
Vor der Sommerpause wird das Zeughaus noch einmal einen deutlichen Akzent ­setzen: „Ophüls & Ophüls“ heißt die große, gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum organisierte Retrospektive, in der das Werk von Max Ophüls (1902-1957) und Marcel Ophüls (*1927) vermessen werden – eine Gegenüberstellung von Vater und Sohn in zwanzig ihrer Filme. Max Ophüls ist mit ­seiner Biografie ein idealer Regisseur für die Vermittlungsarbeit des Kinos: erfolgreich schon in der Weimarer Republik, Theater-Regisseur, Filmemacher, der nach der Machtergreifung Hitlers ins Exil ging, mit Stationen in Italien, den Niederlanden, Frankreich, ­Hollywood. Zugleich blieb er der idealtypische Auteur, dessen Arbeit in Filmen wie „Madame de …“, „Le Plaisier“ oder „Lola ­Montez“ (Foto oben) von seinem unverkennbaren Stil bestimmt war, von seiner beweglichen Kamera, den kunstvoll verschachtelten Erzählungen, den Melodramen, in denen sich die Liebesgefühle an den Verhältnissen und vielfältigen Formen der Ausbeutung zerreiben.

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