Kommentar

„Ort der Begegnung“ von Bert Rebhandl

An einem nasskalten Vormittag im vergangenen Oktober stand eine Frau in einem roten Morgenmantel vor einem Haus in der Schliemannstraße im Prenzlauer Berg und rauchte

Bert Rebhandl

Wer genauer hinsah, und wer ein wenig mit US-Fernsehserien vertraut war, mochte sie erkennen. Es ­handelte sich um Elizabeth Moss, bekannt aus „Mad Men“, wo sie die aufstrebende Werbestrategin Peggy Olson gespielt hat, eine junge Frau in einer Männerdomäne. Nach Berlin war Moss wegen ­einer Kinorolle gekommen. In ­einer Wohnung in einem unsanier­ten Berliner Altbau ­wurde eine Szene für Ruben Östlunds „The Square“ gedreht – eine Journalistin geht mit einem bedeutenden Menschen aus der Kunstbranche ins Bett, es gibt Probleme mit einem Kondom, und bald noch größere.
Regisseur Östlund, der spätestens mit „Höhere Gewalt“ zu einem der Stars des europäischen Arthousekinos wurde, nahm sich zu einem späteren Zeitpunkt eine Stunde Zeit und erzählte bei ­einem italienischen Mittagessen von seinem Projekt, das um die Idee eines sozialen Experiments kreist: Der „Platz“ ist ein Ort der Begegnung, an dem man sich nicht verantwortungslos verhalten darf. Ein ­Anti-Facebook, nicht virtuell, aber auch nicht ganz real. Kunst eben. Am Sonntag gab es in Cannes für „The Square“ die Goldene Palme. ­Berlin kann sich ein bisschen mitfreuen.

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