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OSS 117 – Der Spion, der sich liebte

OSS 117 - Der Spion, der sich liebteDen Auftritt eines James Bond der frühen Sechziger Jahre beherrscht Jean Dujardin in seiner Rolle als Hubert Bonisseur de La Bath perfekt: der Smoking, die linksgescheitelte Frisur, der selbstbewusste Gang, der ironische Blick – alles stimmt. Die Sache hat nur einen Haken: Der auch als OSS 117 bekannte französische Agent ist beileibe kein weltgewandter Charmeur, sondern ein überheblicher, ignoranter Volltrottel. Nach Kairo geschickt, um das Rätsel eines verschwundenen russischen Schiffes mit einer Waffenlieferung zu lösen, schafft er es im Handumdrehen, in jedes erdenkliche Fettnäpfchen zu treten und die Kultur und Religion seiner Gastgeber massiv zu beleidigen.
Der französische Kinoerfolg „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ von Regisseur Michel Hazanavicius ist tatsächlich nicht allein deshalb amüsant, weil hier vom Vorspann über die Musik bis zu den dramaturgischen Standards das Agentenfilmgenre überaus kenntnisreich und detailfreudig parodiert wird. Sondern es gibt eben auch diese Metaebene, die reflektiert, wie sich die Europäer mit stumpfem Kulturimperialismus exotische Schauplätze aneignen – und sich dann permanent über den staubigen Sportwagen beschweren oder den Muezzin niederschlagen, „weil da so ein Opa auf dem Dach mitten in der Nacht einen furchtbaren Krach gemacht hat.“

Text: Lars Penning

tip-Bewertung:
Sehenswert

OSS 117: Der Spion, der sich liebte (OSS 117: Cairo, Nest of Spies)
, Frankreich 2006; Regie: Michel Hazanavicius; Darsteller: Jean Dujardin, Bйrйnice Bejo, Richard Sammel; Farbe, 95 Minuten (Film, Trailer, Audiokommentar von Regisseur und Hauptdarsteller) + ca. 120 Minuten Bonusmaterial in der 2-Disc-Version (u.a. Dokumentation über die Dreharbeiten, Outtakes, entfallene Szenen, Making of). Erschienen bei Koch Media

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