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„Our Grand Despair“ im Kino

Our Grand Despair

„Our Grand Despair“, der im Februar im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale lief, erhielt beim Istanbul International Film Festival den Spezialpreis der Jury. Nach dem mehrfach preisgekrönten Familienporträt „Summer Book“ (2008) ist dies der zweite Film des 1977 in Kayseri geborenen Teoman. „Mich interessiert das dramatische Potenzial der undramatischen Momente im Leben“, sagt der Regisseur, der vor allem das Kino Japans, Koreas, Taiwans und Irans zu seinen Einflüssen zählt. „Für mich ist das Filmemachen eine Möglichkeit, mehr über das Menschsein zu erfahren. Die dafür gewählte Form, der Stil, ist für mich am Ende weniger wichtig als die Aufrichtigkeit, mit der ich mich als Filmemacher meinem Thema nähere.“
Teoman, der zunächst ein Wirtschaftsstudium in Istanbul absolvierte, bevor er an der Polnischen Filmschule in Lodz Regie studierte, sieht seine Arbeit durchaus in der Tradition der angesehenen Vertreter des türkischen Gegenwartskinos Nuri Bilge Ceylan, Semih Kaplanoglu, Zeki Demirkubuz oder Yesim Ustaoglu. Zugleich wehrt er sich gegen die strikte Trennung von Kommerz und Arthouse, Mainstream und Kunst, die die Rezeption dieses Kinos dahingehend bestimmt, dass mit narrativ und ästhetisch ambitionierten Filmen im Ausland zwar Ruhm und Ehre zu erlangen sind, in der Türkei selbst aber kein Geld zu machen ist. Teoman gehört zu den Gründungsmitgliedern des „New Cinema Movement“, eines Zusammenschlusses junger Filmemacher/-innen, der sich der Arbeit gegen diese Trennung verschrieben hat und der dem unabhängigen Kino endlich auch im eigenen Land zu jener Anerkennung verhelfen will, die es international längst erfährt. Für Teoman heißt das zunächst einmal, Filme zu machen, deren Themen nicht unbedingt massentauglich oder gewinnorientiert sein müssen, die sich aber auch nicht meilenweit von der Lebenswirklichkeit und dem Erfahrungshorizont des Publikums entfernen sollten. Wahrhaft zeitgenössisches Kino eben, das über genügend Selbstbewusstsein verfügt, sich jenen alltäglichen Unauffälligkeiten zuzuwenden, aus denen das Leben besteht.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Our Grand Despair“ im Kino in Berlin

Our Grand Depair (Bizim büyük caresizligimiz), Türkei/Deutschland/Niederlande 2010; Regie: Seyfi Teoman; Darsteller: Ilker Aksum (Ender), Fatih Al (Cetin), Günes Sayin (Nihal); 102 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 4. August

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