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„Palo Alto“ im Kino

Palo Alto

Von Palo Alto, einer mittelgroßen Stadt im kalifornischen Santa Clara Valley, ist in Gia Coppolas Film nicht viel zu sehen. Vielleicht gibt es hier aber auch wirklich nicht mehr als Suburbs mit Highschools und Footballfeldern. Nichtsdestotrotz ist es der Ort, an dem Teddy, April und Fred wohnen – und es ist der Ort, an dem James Franco seine Kurzgeschichten im gleichnamigen Buch hat spielen lassen. Gia Coppola, eine Nichte Sofia Coppolas und Enkelin des altehrwürdigen Francis Ford (obschon erstere Verwandtschaft die filmisch treffendere Referenz ist), hat aus jenen Franco’schen Geschichtchen ein Drehbuch gefertigt, auf dem wiederum dieser Film basiert. James Franco hat finanziell tatkräftig unterstützt und spielt im Übrigen auch mit: Als Trainer einer weiblichen Fußballmannschaft rekrutiert er Babysitter-Personal direkt aus dem eigenen Team. Gerne leistet er auch Hausaufgabenhilfe. Oder schenkt ein wenig Zärtlichkeit. April bekommt all das zu spüren, was sie ziemlich durcheinanderbringt.
Dabei gäbe es eigentlich auch einen Verehrer gleichen Alters, Teddy. Doch der kann mit der Unmittelbarkeit des Trainers längst nicht mithalten; kommunikativ Relevantes vergluckert im roten Plastikbecher. Und Teddy hat ohnehin anderes zu tun: Eine Fahrerflucht beschert dem hübschen Sensiblen Sozialstunden in einer Kinderbibliothek und eine zeitweilige Prohibition. Zeit für gefühlloses Gefummel ist dennoch. Und auch für ein bisschen Selbstfindung. Coppola gelingt, dass das alles sehr gut aussieht. Und auch ihre jugendlichen Hauptfiguren kommen nicht wie bloße Staffage daher. Sie sind weniger austauschbar als Sofia Coppolas „The Bling Ring“-Diebe, aber weniger toll als die „The Virgin Suicides“-Girls. Sie sind schon irgendwie daneben, doch sicher keine „Kids“. In den USA fand man sie glaubwürdig.

Text: Carolin Weidner

Foto: Capelight Pictures

Orte und Zeiten: „Palo Alto“ im Kino in Berlin

Palo Alto, USA 2013; Regie: Gia Coppola; Darsteller: Emma Roberts (April), Jack Kilmer (Teddy), Nat Wolff (Fred); 100 Minuten

Kinostart: Do, 18. Juni 2015

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