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„Panihida – Himmelreich“ im Kino

Panihida - Himmelreich

Wer kürzlich Volker Koepps Dokumentation „In Sarmatien“ gesehen hat, der kennt auch die Regisseurin Ana-Felicia Scutelnicu bereits. Als eine der drei Hauptprotagonistinnen in Koepps Film steht sie unter anderem in ihrer Heimat Moldawien vor der Kamera, um vom dort vom gegenwärtigen Leben der Menschen zu erzählen.
Dabei berichtet Scutelnicu auch von ihrem Film „Panihida“, den die dffb-Absolventin 2012 in einer ländlichen Region Moldawiens drehte: Das Begräbnis ihrer Großmutter vor einigen Jahren, so Scutelnicu, habe sie zu einer Geschichte inspiriert, in der alte Leute den Sarg einer jüngst verstorbenen Frau einen sehr langen Weg zum Friedhof schleppen müssen. Denn die mittlere Generation, die diese Pflicht sonst übernehmen könnte, ist nicht mehr anwesend in den Dörfern – sie ist gezwungen, ihren Lebensunterhalt anderswo, meist im Ausland, zu verdienen.
Während Scutelnicu in Koepps Dokumentation damit vor allem die Aussage untermauert, dass die wirtschaftliche Not mitten in Europa nicht nur Familien zerreißt und letztlich die Zukunft ganzer Nationen aufs Spiel setzt, geht es der Regisseurin in ihrer einstündigen Fiktion vielleicht noch mehr um die Tatsache, dass mit dem Tod der Alten auch die lokalen Traditionen verschwinden werden.
Die ruhig und langsam dahingleitende Kamera erfasst deshalb in sorgsam arrangierten und ausgeleuchteten Tableaus (Co-Regie und Kamera: Tito Molina) die Gesichter von älteren Menschen, die viel singen, klagen, trinken und (bodenständig) philosophieren, stets wortlos beobachtet von der etwa 14-jährigen Enkelin (Anisoara Morari) der Toten, die hier, abgesehen von zwei deutlich kleineren Kindern, als einzige die jüngere Generation repräsentiert. Die Beerdigungsprozession in der Sommerhitze gleicht mit der Zeit immer mehr einem sympathischen, leicht absurden Picknick, bei dem der offene Sarg zum eigentlich nur hinderlichen Requisit wird. Und spätestens, wenn der angetrunkene Priester anfängt, zu singen und zu tanzen, und die anderen anweist, die tote Oma doch einfach liegen zu lassen, hat die Lebenslust noch einmal kurzfristig über den Tod triumphiert. Fragt sich, wie es weitergeht.

Text: Lars Penning

Foto: Krokodil Distribution

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Panihida – Himmelreich“ im Kino in Berlin

Panihida – Himmelreich (Panihida?), Moldawien/Deutschland 2012; Regie: Ana-Felicia Scutelnicu; Darsteller: Anisoara Morari, Petru Roscovan, Nina Rabus; 61 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 22. Mai

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