Drama

„Parasol“ im Kino

Seidl light: „Parasol“ zeigt die Insel Mallorca im Schatten

Foto: Wrong Men North Datcha Film Proximus Orig

Drei Menschen auf Mallorca: Der einheimische Pere kutschiert die Touristen mit einem Zug durch die Gegend, würde aber viel lieber Zeit mit seiner Tochter verbringen. Der Brite Alfie sucht nach Sex und trinkt viel zu viel Alkohol. Und die Belgierin Annie chattet mit einem Mann, der sie scheinbar umgarnt. Gerade die letzte der drei Episoden, aus denen Valéry Rosiers Film besteht, erinnert an ­Ulrich Seidls „Paradies: ­Liebe“: die starren Einstellungen, die unerbittlich auf die Wirklichkeit ­blicken, der teilweise Einsatz von Laien­darstellern, die Versionen ihrer selbst spielen, der schonungslose Blick auf die Ab­gründe der Existenz.

Das Bloßstellen der Figuren ist bei dieser Art des semi-dokumentarischen Kinos, der inszenierten Realität eine stetige Gefahr, der Rosier jedoch meist entgeht. Fast immer gelingt es dem belgischen Regisseur, das besondere Leben auf Mallorca in stark komponierten Breitwandbildern einzufangen: die Hotelburgen mit ihren Touristenhorden, der Ballermann mit den Party-Exzessen, aber auch das Leben der Mallorquiner selbst. Einen ganz eigenen Ton hat Rosier hier zwar noch nicht gefunden, der Schatten Seidls hängt noch über einem Film, der dennoch ein vielversprechendes Spielfilmdebüt ist.

Parasol B 2015, 77 Min., R: Valery Rosier, D: Alfie Thompson, Julienne Goeffers, Start: 24.8.

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