Romanze

„Paris kann warten“ im Kino

Ein Klischee lebt ewig: Gott lebt in Frankreich und hat die dortigen Männer mit jenem savoir vivre aufgepimpt, um das sie der Rest der Welt beneidet

Foto: Tobis

In satten Frühlingsfarben entfächert sich glitzernd Cannes auf der Leinwand einer prominenten Regiedebütantin: Eleanor Coppola, Ehefrau von Regielegende Francis Ford Coppola. Mit „Paris kann warten“ hat die 81-Jährige ihr eigenes Buch verfilmt, das sie mit Selbsterlebtem füllte.

Ihr Alter Ego Anne (Diane Lane) ist die smarte und nachsichtige Gattin eines Hollywood-Produzenten (Alec Baldwin). Er scheint sie wohl ­weniger als seine Frau denn als Assistentin wahrzunehmen. Von Cannes soll es nach Budapest gehen und dann nach Paris. Doch ­wegen Ohrenschmerzen will Anne sich schonend gleich nach Paris bewegen. So kommt er ins Spiel: Jacques, Kollege des ­Gatten und Vorzeigefranzose. Aufmerksam, charmant, sensibel. Ein Master of ­Ceremonies der Genüsse, mit dem Anne nun im alten Cabrio durch Frankreich braust. Erst ein römischer Aquädukt, dann Lyon mit seinen Gourmettempeln und dem Filmmuseum der Gebrüder Lumière – ein einziger Reigen schöner Dinge und Gesten. Arnaud Viard spielt den geborenen Verführer, dem Anne zwar tapfer widersteht, doch in ­Gedanken gern nachgeben würde, wenn die ­Affäre denn wirklich so einzigartig würde, damit sich der Aufwand lohnt. Als typische US-Amerikanerin vermittelt sie fleckenfreie Bodenständigkeit, weiß gerissene Keilriemen mit Strümpfen zu beheben und beweist ihre künstlerische Ader in der Auswahl ihrer Fotomotive.

Eine Hochglanz-Romanze könnte das werden, doch Coppola fokussiert sich mehr auf die spielerische Leichtigkeit des Möglichen und jenes abgegriffene Bild von Frankreich und seinen Lebenskünstlern, die gewisse Frauen ihres Alters so hegen. Was auch nur ein Klischee ist, nur leider diesen Film nicht aufregender werden lässt.

Paris kann warten USA 2017, 92 Min., R: Eleanor Coppola, D: Diane Lane, Alec Baldwin, Arnaud Viard, Start: 13.7.

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