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„Paris Manhatten“ im Kino

Paris Manhattan

Eine Retourkutsche hat er verdient, der Altmeister der Übergänge zwischen filmischer Realität und gefilmter Imagination. Und so schaut Woody Allen mit skeptischem Dackelblick vom überlebensgroßen Schwarz-Weiß-Porträt in ein Pariser Teenagerzimmer und direkt ins Herz der schüchternen Alice. Zwanzig Jahre später hat sie die Apotheke des Vaters übernommen, kuriert Rückenschmerzen auch mal mit einem Film aus ihrer DVD-Sammlung und ist ein hochattraktiver Single. Dann tauchen zwei sehr unterschiedliche Männer auf und die Gefühle folgen der vorhersehbaren Verlaufskurve, mit Mr. Allen persönlich als Deus ex Machina.
Doch wo sich der gemeine Stadtneurotiker in praktischen Lebensfragen wie in Liebesdingen aus der typischen Mischung von Selbstwertstörung und Größenwahn heraus in vergnüglichster Akrobatik ein Bein stellt, bewegt sich „Paris Manhattan“ im Wachsfigurenkabinett des gehobenen französischen Unterhaltungsfilms. Man geht auf Cocktailpartys und dazwischen mal fremd, isst, trinkt, liebt, leidet und redet ausführlich darüber. Das ist charmant und unterhaltsam und emotional so anrührend wie eine Modestrecke in der „Marie Claire“.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Senator Film Verleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Paris Manhattan“ im Kino in Berlin

Paris Manhattan, Frankreich 2012; Regie: Sophie Lelouce; Darsteller: Alice Taglioni (Alice), Patrick Bruel (Victor), Marine Delterme (Hйlиne); 80 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 4. Oktober

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