Science Fiction

„Passengers“ im Kino

Künstliches Paradies: Ein Duo in einem Weltraum-­Kammerspiel. „Passengers“ mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt

Foto: Sony Pictures
Foto: Sony Pictures

Das Raumschiff Avalon hat eindeutig den definitiven Infinity Pool. Hier kann man mit Blick auf die unendlichen Weiten des Kosmos’ ein paar Bahnen ziehen. Allerdings ist das nicht wirklich vorgesehen, denn die Passagiere verbringen ihre Reise in einem künstlichen Tiefschlaf. Sie wollen schließlich bei der Ankunft nach fast 100 Jahren noch etwas davon haben. Für den Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt, andernorts als „Guardian of the Galaxy“ für deutlich ­größere Reparaturprojekte vorgesehen) geht die Sache nicht auf: Ein Defekt sorgt dafür, dass sich seine Koje vorzeitig öffnet. Er findet ein perfekt funktionierendes Schiff vor und muss nun überlegen, wie er die nächsten 88 Jahre verbringen kann – ein neuer Robinson in einer hypermodernen Umgebung, die wie aus einem Pixar-Film geklont wirkt.
Da im Hollywood-Kino außer Matt ­Damon auf dem Mars niemand allein ­bleiben soll, gesellt sich ein weibliches Wesen zu Jim: die Journalistin Aurora Lane. Sie hat sich eine besonders spannende Aufgabe gesetzt: Sie will sich ein Jahr lang auf dem fernen ­Planeten, zu dem Avalon unterwegs ist, ein Bild machen. Dann will sie nach Hause ­fahren und von ihren Erfahrungen berichten. Mit zwei Mal Schlafen macht das einen Zeitsprung von rund 200 Jahren zwischen Beginn und Ende der Recherche.
Klingt vielleicht ein bisschen verblasen, macht aber in der Welt des Films durchaus Sinn. Denn hier verbindet sich sehr schön das Motiv der Klaustrophobie mit dem der unendlichen Weite, auch der zeitlichen. „Passengers“ von Morten Tyldum spekuliert ungeniert auf die vermutlich weit verbreitete Fantasie, ­exklusive Qualitätszeit mit Zufallsbekanntschaften wie Jennifer Lawrence oder Chris Pratt verbringen zu dürfen. In ihrem Bunde der Dritte ist ein Barmann, der sich als Attrappe erweist – was ein vernünftiger Barmann nun einmal in der Wirklichkeit ja auch meistens ist, einfach jemand, der die Bälle zurückspielt.
Die erste Stunde des Films erweist sich als gelungenes Kammerspiel in einem künst­lichen Paradies, dann setzen sich doch die herkömmlicheren Reflexe des Genres durch. Aber alles in allem ist „Passengers“ ein schöner, altmodischer Science-Fiction-Film mit einem fantastischen Design – der Höhepunkt ist das Raumschiff selbst, eine Projektil gewordene Formel, der man auch stundenlang einfach so auf dem Weg durch die Galaxien zuschauen könnte.

Passengers USA 2016, 111 Min., R: Morten Tyldum, D: Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Start: 5.1.

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