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Pat Metheny im Tempodrom

Pat Metheny

Jazz-Gitarrist Pat Metheny liebt seit Jahrzehnten die Extreme. Mal gibt er den süßlichen Schmusejazzer, dann haut er in die Saiten, dass Jimi Hendrix vor Neid erblassen würde. Doch an welcher Küste des Jazz-Ozeans er auch jeweils gerade anlegt – aus seinen Vorbehalten gegenüber dem selbstverliebten Gegniedel vieler seiner Kollegen macht der chronisch entspannte Lockenkopf keinen Hehl. „Ich liebe vieles im Jazz, aber es gibt noch viel mehr Musik, die ich nicht ertrage, gerade weil sie Jazz ist.“ Schon in den Siebzigerjahren webte er Rock- und Country-Sounds in seine Improvisationen ein, später reicherte er sein Idiom mit Latin Grooves, Ambient, House, Noise, Minimal Music und vielen anderen Zutaten an. Der stilbildende Cinemascope-Jazz der Pat Metheny Group liegt allerdings seit einigen Jahren brach, weil sein Kompagnon Lyle Mays mittlerweile lieber Pool spielt, als Tasten zu drücken. Mit Saxofonist Chris Potter hat der unermüdliche String Fighter nun eine neue Band aufgebaut. Die Unity Group führt die bisher unvereinbaren Gegensätze des Jeckyll & Hyde auf der Jazzgitarre in einem einzigen Vehikel zusammen. Nie zuvor gab es so viel Breitwand-Metheny in einer einzigen Band. Entscheidender als dieses Gewebe aus historischen Fäden ist jedoch die spontane Spielwucht, die sich hier entlädt. „Das Wort Unity“, so Metheny, „beschreibt am unmittelbarsten eines meiner wichtigsten musikalischen Ziele. Über Begriffe wie Rock, Jazz und Avantgarde denke ich nicht viel nach. Musik ist für mich immer Musik. Unity bedeutet für mich die Koexistenz aller Momente des Lebens und der Kunst.“

Text: Wolf Kampmann

Foto: Jimmy Katz 

Pat Metheny Unity Group, ?Tempodrom, Di 13.5., 20 Uhr, ?VVK: 33–43 Euro zzgl. Gebühr

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