Jim Jarmusch

„Paterson“ im Kino

Ohio Blue Tip – Hommage an die Poesie des Alltags: „Paterson“, ein stilles Meisterwerk von Jim Jarmusch

Foto: Weltkino Filmverleih/ Mary Cybulski

Busfahrer Paterson (Adam Driver) lebt in Paterson, New Jersey ein Leben der Routine: Aufstehen morgens gegen Viertel nach Sechs, ein paar Cerealien zum Frühstück. Anschließend der Gang zur Arbeit, Busfahren den ganzen Tag. Beim Heimkehren den Briefkasten geraderücken, abends mit dem Hund Gassi gehen, ein Bier in der Kneipe. Jeden Tag das Gleiche, gefilmt von Jim Jarmusch in den immer gleichen Einstellungen. Kleine Abweichungen bieten einen lakonischen Witz und werden von Paterson so stoisch hingenommen wie der Tick seiner leicht nervtötenden Frau (Golshifteh Farahani), die Wohnung permanent schwarzweiß umzudekorieren.
Die rhythmisierte Ereignislosigkeit ist in „Paterson“ eine große Hommage an die Poesie des Alltags, die ihrerseits Alltagspoesie inspiriert: Denn der Busfahrer verfasst Lyrik, jeden Tag schreibt er Gedichte in sein Notizbuch, und ein „Love Poem“ kann sich hier auch in der sehr peniblen Beschreibung der Qualitäten der Streichholzmarke „Ohio Blue Tip“ ergehen. Paterson saugt den Alltag mit genauer Beobachtungsgabe förmlich in sich auf, die Gespräche der Fahrgäste, die Ereignisse in der Kneipe.
Das geht nicht nur ihm so, sondern auch der Schülerin an der Straßenecke, die ihm eines ihrer Gedichte vorliest, dem Rapper, der im Waschsalon übt. In der Stadt Paterson deren berühmteste Söhne der Dichter Allen Ginsberg und der Komiker Lou Costello – gewissermaßen Jarmuschs Dreamteam – sind, ist das tägliche Leben Poesie.

Paterson USA 2016, 123 Min., R: Jim Jarmusch, D: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley, Start: 17.11.

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