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Paul Feig im Gespräch

Paul Feig

Melissa McCarthy glänzt an der Seite von Jude Law. Ein Gespräch über die Geheimnisse des Komischen.

tip Mr. Feig, die Komödie „Spy – Susan Cooper Undercover“ verdanken wir wohl immer noch dem riesigen Erfolg von „Brautalarm“ (2011). Können Sie jetzt alles machen, worauf Sie Lust haben?
Paul Feig?Immer noch nicht ganz, aber es sieht momentan ganz gut aus. Ich habe Spionagefilme immer gemocht, liebe das Genre, und würde sehr gern einmal einen „James Bond“-Film machen. Das habe ich auch meiner Agentur gesagt, aber da hat man nur gelacht und gesagt: Du bist Komödienregisseur, vergiss es.

tip Was mögen Sie an diesem Genre?
Paul Feig Die Action. Als ich das Angebot für „Taffe Mädels“ (2013) bekam, mit Sandras Bullock und Melissa McCarthy, da ging das schon in die richtige Richtung mit ein paar Stunt-Szenen. Das Drehbuch zu „Spy“ schrieb ich dann sehr schnell, da steckte eine Menge Lust dahinter: ein Bond-Film mit einer ganz besonderen Agentin.

tip Dachten Sie beim Schreiben schon an Melissa Mc-Carthy?
Paul Feig Eigentlich nicht, denn ich wusste, dass sie in dem Herbst, in dem wir drehen wollten, beim Fernsehen beschäftigt war. Sie war aber einmal bei uns daheim zum Abendessen, und als ich ihr von dem Drehbuch erzählte, wollte sie es unbedingt lesen. Wir haben dann umgeplant und ein halbes Jahr auf sie gewartet.

Spy - Susan Cooper Undercovertip Wäre jemand wie Melissa McCarthy auch vor 30 Jahren schon für so eine Hauptrolle infrage gekommen?
Paul Feig Eher nicht, aber das liegt nicht am Publikum, das liegt an Hollywood. Die Leute mögen es, wenn jemand komisch ist. In der Industrie aber galt lange die Regel: Mit Frauen verdient man kein Geld. „Brautalarm“ spielte aber sehr viel Geld ein, mit ausschließlich Frauen in den Hauptrolle, darunter eben auch Melissa. Geld ist die einzige Tatsache, die in Hollywood etwas ändert. Aber auch jetzt noch müssen wir es für manche Projekte so richtig zusammenkratzen.

tip Jude Law und Jason Statham haben in „Spy“ herrliche Rollen als leicht beschränkte Superagenten.
Paul Feig Jude hatte für mich immer schon einen leichten Touch, wenn ich an die „Sherlock“-Filme denke. Das Geheimnis bei beiden war, dass sie alles todernst spielten. Wenn Leute glauben, sie müssten den großen Komiker raushängen lassen, geht das immer schief. Für Jason schrieben wir noch am Set die albernsten Sachen, und er brachte sie mit einer absolut ungerührten Miene. Das ist Komödien-Nirvana für mich.

tip Ihre Fernsehserie „Freaks & Geeks“ (1999) hat inzwischen Kultstatus. Darsteller wie James Franco, Seth Rogen oder Jason Segel sind heute Stars. Warum galt die Serie damals als Misserfolg?
Paul Feig Wir hatten sieben Millionen treue Zuschauer, heute wäre das ein Riesenhit, aber damals gab es noch viel weniger Angebot, und somit war das zu wenig. Es war die Zeit von Game Shows wie „Wer wird Millionär?“, das kostete nicht viel, wir dagegen waren relativ teuer. Heute hat sich der Komödienstil stark verändert. Wir kamen zur gleichen Zeit heraus wie „Malcolm in the Middle“, das galt damals als sehr lustig, biedert sich aber doch ziemlich an.

Spy - Susan Cooper Undercovertip Wie lange kennen Sie Judd Apatow schon, mit dem Sie gemeinsam inzwischen das Komödienfeld im amerikanischen Kino dominieren?
Paul Feig Wir waren beide Stand-up-Comedians in Los Angeles in den 70er-Jahren. Er war 17, ich war knapp 20. Da lebten die Leute in einer Wohngemeinschaft in Los Angeles, hingen gemeinsam ab, spielten Poker, rauchten Zigaretten und tranken Kaffee. Ich trank nur Kaffee. Und es flogen die ganze Nacht hindurch die Witze hin und her. Das war ein richtiger Komödiengarten. Dabei waren einige von diesen „Funny People“ durchaus schwierige Charaktere. Ich komme aus einer glücklichen Familie, da war ich besser dran.  Judd und ich hatten einen ähnlichen Sinn für Humor, wir liebten seltsame Figuren, wir schickten einander immer alle Drehbücher. Er war in der „Larry Sanders Show“; als ich „Freaks and Geeks“ machte, kamen wir zusammen. Wir machten einander wechselseitig besser.

tip Zuletzt haben Sie die Science-Fiction-Serie „Other Space“ für Yahoo gemacht. Noch so ein Liebhaberprojekt?
Paul Feig Das hatte ich vor zehn Jahren geschrieben und nie richtig aufgegeben. Dann verlor ich die Rechte, denn es gehörte einem Sender, und kürzlich bekam ich die Rechte zurück. Yahoo fragte meine Agenten, ob ich etwas in der Schublade hätte, ich schickte ihnen „Other Space“. Wir drehten gerade „Spy“ in Budapest, da kam dieser Anruf von Yahoo: Wir würden das gern machen, aber es muss April 2015 raus. Klappt das? Das war schon sehr eng, alles lief ein bisschen wie im Fernstudium, manchmal extrem beängstigend. Aber jetzt habe ich aber wieder einen kleinen Zoo – wie damals bei „Freaks and Geeks“.

Interview: Bert Rebhandl

Foto (Paul Feig): imago/UPI Photo

Fotos (klein): 2015 Twentieth Century Fox

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Spy – Susan Cooper Undercover“ im Kino in Berlin

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