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Künstler-Doku

„Pawlenski – Der Mensch und die Macht“ im Kino

Der Russe Pjotr Pawlenski ist ein politischer Aktionskünstler

Foto: Pawlenski Lichtfilm

Er nähte sich aus Protest ­gegen den „Pussy Riot“-Prozess die Lippen zu, nagelte am Feiertag der Polizei seinen ­Hodensack auf dem Roten Platz in Moskau fest oder setzte eine Tür des Gebäudes vom russischen Geheimdienst in Brand. Den Staat und seine Organe betrachtet Pawlenski als eine Unterdrückungsmaschinerie, deren Mechanik seine Aktionen bloßstellen sollen.
Und das funktioniert tadellos, wie man in hier sehen kann: Die Vertreter der staatlichen Ordnung verstehen nicht, dass sie in Pawlenskis Aktionen die eigentlichen Hauptrollen spielen, und haben keine Ahnung, was sie mit Pawlenski machen sollen. Auf die Ebene der politischen Beweggründe wollen sie sich nicht einlassen, zugleich sind die Versuche, ihn entweder als Hooligan oder als Verrückten darzustellen, leicht durchschaubar.
Langemann porträtiert Pawlenski, der mittlerweile in Frankreich um Asyl nachsuchte, in Gesprächen mit ihm, seiner Lebensgefährtin Oksana Schalygina und Künstlern sowie mit Aufnahmen und Nachinszenierungen diverser Prozesse und Vernehmungsprotokolle. Das ist interessant, komplex und auch ein wenig unheimlich – wie immer, wenn Menschen mit einer radikal moralischen Haltung ans Werk gehen: Wie grenzen sich Politik, Kunst, Privates und Fanatismus eigentlich gegeneinander ab? Und tun sie es im Fall von Pawlenski überhaupt?

Pawlenski – Der Mensch und die Macht D 2017, 99 Min., R: Irene Langemann, Start: 16.3.

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