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Perfume Genius im Lido

Perfume Genius

Antony and the Johnsons sind für ihn der Soundtrack seines Lebens als Twen, verrät uns Mike Hadreas alias Perfume Genius. Er lächelt charmant, hört aber angeblich niemals fröhliche Musik und covert zu Hause am liebsten Townes Van Zandt. Konsequent, dass der Sänger und Pianist, inzwischen 32 oder 33 Jahre alt (das genaue Alter hält er geheim), auf seiner dritten und besten Platte „Too Bright“ über seine sphärischen Klavierballaden hinauswächst und am Soundtrack seines Lebens als junger Mann Anfang 30 schreibt.
Rhythmischer und bombastischer klingt er jetzt: „Es gab etwas Druck von Leuten, die wollten, dass es mainstreamiger wird“, gibt er zu. Das habe er aber letzten Endes nicht gewollt, wiewohl er selbst gespannt darauf war, was passiert, wenn er noch mutiger mit Sounds ist und auch mal das Risiko eingeht, „lächerlich zu klingen“, wie er selbst sagt. Etwa in unvertrauten Tonhöhen.
Eigentlich hat Perfume Genius, der im Video zur Single „Queen“ High Heels mit Glitzeranzug kombiniert – fast wie David Bowie, das Zeug zur queeren Ikone. Privat sei er aber viel zögerlicher, hat auch mal das Gefühl, seine Liebe verstecken zu müssen, „wenn mein Freund meine Hand halten möchte und ich sie wegschüttle, weil mich das Gefühl beschleicht, das käme hier gerade nicht gut“. So vorsichtig und defensiv zu sein, sei ihm peinlich. Auch im Song „No Good“ heißt es: „To me love was always a hidden thing.“ Dann geht es um anonymen Sex im Park. Der Song sei aber nicht aus seiner Perspektive geschrieben, „eher aus der eines älteren schwulen Mannes, aus einer Zeit, in der er sich nicht outen konnte“. Überhaupt spürt man in den Lyrics Verantwortung. „Lange hatte ich das Gefühl, mein Leben sei sinnlos“, gesteht uns Perfume Genius. Und: „Wenn es mir gelänge, Menschen die Scham und die Schwäche zu nehmen, die ich fühlte, wäre das toll.“

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Luke Gilford

Perfume Genius, Lido, Cuvrystraße 7, Kreuzberg, Mo 17.11., 20 Uhr, VVK: 17 Euro zzgl. Gebühr

Lesen Sie hier das ausführliche Gespräch: Ein Interview mit Perfume Genius

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