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„Periferic“ im Kino

Periferic

Matilda ist kein Opfer, sondern eine toughe Braut. Irgendwie und vermutlich unverdient in den Knast geraten, nützt sie die 24 Stunden Freigang zur Beerdigung der Mutter entschlossen und von Rückschlägen nicht irritierbar, um alte Rechnungen zu begleichen und ein neues Leben aufs Gleis zu bringen. Die wichtigste Figur ist dabei ihr kleiner Sohn. Ihn, den sie so lange allein hatte lassen müssen, will sie unbedingt in Sicherheit bringen. Dazu lässt sie sich auf einen Deal ein, der zugleich eine Frist beinhaltet: Zu einer bestimmten Zeit muss sie in Constant?a am Hafen sein, sonst schließt sich das Fenster der Gelegenheit wieder, das sie arrangiert hat.
Ana Ularu spielt Matilda nicht, sondern gibt ihr ein Gesicht, das nur so und nicht anders denkbar ist. Der gebürtige Rumäne Bogdan George Apetri lässt sie von der Leine und unterwirft „Periferic“ ganz ihrem darstellerischen Charisma – mit dem frappierenden Effekt, dass die Nebenfiguren unter dem zornigen, fordernden Blick der Protagonistin ihrerseits zu leuchten beginnen.
Überhaupt gibt es ein eigentümliches, energiegeladenes Glühen in den Bildern, das so ganz anders wirkt als die fatalistische Tristesse, die zum Markenzeichen des neuen rumänischen Kinos geworden ist. Dem in New York ausgebildeten Regisseur gelingt in seinem zu Recht international ausgezeichneten ersten Langfilm, der auf der dramaturgischen Ebene durchaus in bewährt neorealistischer Weise einen Hindernis- und Etappenlauf zeigt, gerade durch die subjektive Erzählhaltung und genregesättigte Künstlichkeit vieler Inszenierungselemente das Porträt einer Gesellschaft, die nur aus Randzonen und Abbruchkanten zu bestehen scheint.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Peripher Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Periferic“ im Kino in Berlin

Periferic, Rumänien/Österreich 2010; Regie: Bogdan George Apetri; Darsteller: Ana Ularu (Matilda), Mimi Branescu (Paul), Andi Vasluianu (Andrei); 87 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 12. Juli

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