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„Picco“ im Kino

Picco

Philip Kochs beeindruckender Abschlussfilm (der Münchner Filmhochschule) basiert auf einem tatsächlichen Fall. Im Jugendknast in Siegburg wurde 2006 ein Häftling von seinen Mitinsassen grausam gefoltert und schließlich ermordet. Kochs in entsättigten und grün-bläulich eingefärbten Bildern fotografierter Film inszeniert diese Geschichte als beängstigend klaustrophobes Kammerspiel mit einem Ensemble herausragender Darsteller. Er handelt größtenteils in einer beengenden Gefängniszelle mit vier Insassen, in der die latent-strukturelle Gewalt der Institution von den Protagonisten in immer manifestere Aggressionen und schließlich in grausamen Sadismus verwandelt wird.
Der in der Gefängnissprache so genannte „Picco“, der Neu­ankömmling (Constantin von Jascheroff), findet sich schnell innerhalb einer brutalen Gruppen­dynamik wieder, in der es nur zwei Positionen gibt: Opfer oder Täter. Koch inszeniert den Film mit kontrollierter Drastik, die einer Logik der sich bis ins Unerträgliche zuspitzenden Anspannung folgt. Ein beklemmender und schockierender Film, der vor allem in den letzten 30 Minuten nichts für Zartbesaitete ist.

Text: Michael Baute

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Picco“ im Kino in Berlin

Picco, Deutschland 2009; Regie: Philip Koch; Darsteller: Frederick Lau (Marc), Constantin von Jascheroff (Kevin), Joel Basman (Tommy); 108 Minuten; FSK 16

Kinostart: 3. Februar

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