Dokumentarfilm

„Playing God“ im Kino

Systembeobachtung: „Playing God“ heißt es für den ­Anwalt Ken Feinberg

Foto: Real Fiction

Der US-amerikanische Anwalt Ken Feinberg trägt einen klangvollen Beinamen: „Master of Desaster“. Das hat damit zu tun, dass er in der Regel ins Spiel kommt, wenn irgendwo ein Unglück geschieht, meistens ein großes: Die Anschläge von 9/11 oder die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sind zwei der bedeutendsten Beispiele für Ereignisse, nach denen Feinberg sich um Entschädigungen bemüht hat. Er nimmt dabei oft eine charakteristisch zweideutige Rolle ein, denn im Falle von BP wurde er von der Ölfirma dafür bezahlt, dass er die Geschädigten in den Küstenstaaten zur ­Annahme einer Summe zu bewegen ­versuchte, die von vielen als Schweigegeld empfunden wurde.

Karin Jurschick hatte für ihren Dokumentarfilm „Playing God“ sehr weitreichenden ­Zugang zu Feinberg, mit dem sie auch mal im Privatjet reist und die Gelegenheit zu Gesprächen nutzt. Der charismatische Mann wird zu einer Schlüsselfigur für das komplexe Verhältnis zwischen Regierungsverantwortung, Firmeninteressen und einzelnen Menschen, die sich häufig ohnmächtig diesen großen (tendenziell immer auch korrupten) Strukturen gegenübersehen. In einem besonders interessanten Fall geht es um Pensionsansprüche im Mittleren Westen der USA.

„Playing God“ geht es keineswegs um eine Heldengeschichte, sondern um eine hochinteressante Systembeobachtung, in der dann eben auch deutlich wird, dass manche Leben mehr „wert“ sind als andere. Nur ein „Gott“ wie Feinberg kann das ausrechnen.

Playing God D/ISR/NL/DK 2017, 90 Min., R: Karin Jurschick, Start: 8.2.

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