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„Policeman“ im Kino

Policeman

Sie sind ganze Kerle, strotzend vor Kraft und Sendungsbewusstsein: die fünf Polizisten einer israelischen Antiterroreinheit. Ihre Körper wirken wie geölte Maschinen, bereit, jeden jederzeit für ihr Land zu töten. Wie kürzlich, als sie einen palästinensischen Attentäter erschossen und ein paar Zivilisten gleich mit. Yaron gehört zum Team. Er wird bald Vater und versucht gerade, sich in die neue Rolle hineinzufühlen. Sein Freund Ariel hingegen hat Krebs. Wenn er für den aus dem Ruder gelaufenen letzten Auftrag geradesteht, muss der todkranke „Polizei-Kämpfer“ keine Strafverfolgung befürchten, sein Team kann weiteragieren wie gewohnt. Mit nüchternen Bildern skizziert der israelische Regisseur Nadav Lapid diese Machoriege, ihre Rituale, Selbstinszenierungen, auch die kleinen Unsicherheiten. Dann setzt er eine klare Zäsur: eine unbarmherzig grelle Sonne sticht ins Auge, dann verliert sich der Blick in einem ernsten Mädchengesicht. Es gehört Shira, einer blonden Tochter aus gutem Hause. Bald wird sie mit einigen Mitstreitern zwei superreiche Israelis entführen, um dann ihr Manifest vorzulesen, ein Plädoyer für die Entmachtung der Reichen zugunsten der Armen.
Die Mitglieder der Terrorgruppe sind nur wenig jünger als ihre Bekämpfer. Und auch bei ihnen findet die Kamera Brüche im entschlossenen Profil: Sehnsüchte, Liebeshunger, ein zarter Hang zur Poesie bei aller Verklärung des revolutionären Ethos. Undenkbar jedoch: eine Abweichung vom eingeschlagenen Kurs. „Policeman“ zeigt den Zersetzungsprozess der israelischen Gesellschaft. Schuld daran sind nicht die Palästinenser, arabische Attentäter oder ein anderer äußerer Druck, sondern die aktuelle Verschärfung der sozialen Unterschiede durch ein unbarmherziges System. Es beantwortet Gewalt stets mit Gewalt, will keine neuen Positionen oder Alternativen. Spannend, wie Lapids Spielfilmdebüt die innere Zerrissenheit seines Landes aufzeigt – ohne epische Bilder und Mitgefühl für seine Protagonisten. Gegen Schluss, wenn sich in „Policeman“ die bis dahin autonomen Handlungsstränge überkreuzen, wird Yaron erstmals einem neuen Feind in die Augen blicken, völlig verstört, da sie blau sind und ohne Hass.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: GMfilms

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Policeman“ im Kino in Berlin

Policeman (Ha-shoter), Israel 2011; Regie: Nadav Lapid; Darsteller: Yiftach Klein (Yaron), Yaara Pelzig (Shira), Michael Mushonov (Oded); 105 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 25. Oktober

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