Kommentar

„Politik muss sein“ von Lars Penning

„Herr Kosslick, die Berlinale ist ja ein politisches Festival…“, so wenden sich gern jene Journalisten­kollegen an den Festivaldirektor, denen es zu blöd erscheint, ihn nach der Anzahl der kommenden Stars auszuforschen

Lars Penning

Aber Politik, das ist ernst, da hat das Festival einen Ruf zu verlieren. Also sagt der sympathische Dieter Kosslick, das sei natürlich auch diesmal wieder ungeheuer wichtig und zählt auf, was man im Wettbewerb so alles im Angebot hat.
Natürlich hätte jemand genauso gut konstatieren können: ein künstlerisches, verspieltes oder kulinarisches Festival. Die Auswahl war wie immer groß genug. Aber Politik muss sein, leider. Denn in dieser Hinsicht ist die Berlinale eine echte Wundertüte – aus der in diesem Jahr nur Enttäuschungen herauskamen: Erbauungskitsch im Eröffnungsfilm „Django“ (Sinti- und Roma-­Verfolgung im besetzten Frankreich mit Gypsy-Swing-Untermalung), Geschwafel des Allzweckkünstlers Joseph Beuys über die notwendige Bewusstseinsveränderung des Menschen als soziale Skulptur in dem dokumentarischen Porträt „Beuys“ von Andres Veiel und die dröge Tagesschau-Faktizität eines syrischen Flüchtlingsschicksals in Aki Kaurismäkis „Die andere Seite der Hoffnung“. Letzterer war der Favorit vieler Kollegen auf den Goldenen Bären, dessen Vergabe erst nach Redaktionsschluss stattfand. Mir war allerdings nicht ganz klar, ob sie sich das wirklich wünschten, oder ob sie nur allzu gut die Bären-Vergabe-Mechanismen beim politischen Berlinale-Film durchschaut hatten.

Mehr über Cookies erfahren